Evazote versus Luftmatte

Evazote oder Luftmatte, eine Geschichte voller Missverständnisse 🙂

Für mich persönlich beginnt nun die Wandersaison endlich wieder und mit der sinkenden Temperatur in der Nacht steigt auch die Notwendigkeit einer guten Isomatte. Mittlerweile dürfte es sich wohl schon rumgesprochen haben, dass die Isolation von unten beim Liegen auf dem Boden noch wichtiger ist, als die Isolation durch einen Schlafsack. Von unten kommt die Kälte gekrochen sagt man und das stimmt genau so.

Daher sollte man sich überlegen, welche Matte man haben möchte.

Im Wesentlichen gibt es zwei verschiedene Arten. Einmal die Schaumstoff Evazote Matten und die Luftmatten.

Im folgenden will ich jeweils auf ihre Vor- und auf ihre Nachteile eingehen.

Evazote Matten

Beispiele: finden sich hier reichlich. Da kann ich nur schwerlich eine besondere empfehlen, da die meisten sehr identisch sind. Diese hier ist für Wintertouren sehr gut, da sehr dick. Diese als auch diese sind deutlich teurer, dafür etwas komfortabler und grundsolide. Zuletzt nochmal die für die meisten Zwecke ausreichende Standard Isomatte.

Vorteile
  • billig

Evazote Matten bekommt man schon für recht wenig Geld, vor allem wenn man die weiteren Vorteile dieser Isomatten bedenkt.

  • Sie Isolieren sehr gut…

und zuverlässig! Da kommt wirklich keine Kälte durch. Zudem…

  • gibt es sie in verschiedenen Stärken…

…so dass man sich die passende für die entsprechenden Zwecke zulegen kann. Ich habe insgesamt 3 Matten, um ein breites Spektrum von Sommermatte bis Wintermatte abzudecken.

  • Sie sind sehr robust!

Da punkten sie enorm! Eine Isomate aus Evazote (oder vergleichbarem Schaumstoff) bekommt man nur dann kaputt, wenn man es mutwillig versucht. Ein Loch? Kein Problem! Ein Schnitt? Kein Problem. Nass? Kein Problem, einmal ausschütteln und fertig. Funken? Kein Problem, schmort kurz, aber isoliert trotzdem. Sie…

  • …funktionieren einfach immer!

Und das ist ein riesen Vorteil und zudem ein Alleinstellungsmerkmal in diesem Vergleich! Bei starker längerfristiger (!) Sonneneinstrahlung kann sie sich etwas verformen, aber auch verformt ändert sich nichts an der Isolationsleistung dieser Hochleistungs Isomatte 🙂

  • Sie steht sofort zur Verfügung

Auch nicht zu verachten! Man rollt sie aus und fertig ist die Isolation von unten, kein Aufpusten und nichts, daher kann man sie…

  • auch schnell als Sitzkissen verwenden.

Was in der Pause auch sehr praktisch ist. Entweder eben falten oder nur teilweise ausrollen und schon hat man ein Sitzkissen. Man kann sie auch an einem Baum hoch rollen, so kann man sich gegen lehnen, hat von unten und von hinten her Isolation. Da diese Art Isomatte so robust ist, muss man sich auch um den Untergrund keine Gedanken machen.

  • Prima in Verbindung mit Hängematten

Der Punkt mag Geschmackssache sein. Ich verwende in meiner Hängematte lieber Evazote Matten, weil sie nichts an Höhe dazugeben. Bei einer Luftmatte liegt man plötzlich 5, oder sogar 7cm höher und das habe ich idR. als instabiler empfunden.

Nachteile
  • Sie ist sehr sperrig!

Einer der beiden großen Nachteile. Eine Evazote Isomatte ist idR. wesentlich sperriger als eine vergleichbare Luftmatte. Man muss also schauen, ob man genug Platz im Rucksack hat oder aber die Möglichkeit, sie außen zu befestigen (und ob man das mag).

  • Sie ist ziemlich unkomfortabel

Der wahrscheinlich größte Nachteil bei Verwendung auf dem Boden (entfällt bei der Verwendung mit einer Hängematte). Evazote Matten bieten einfach einen minimalen Komfort! Ich habe wirklich viele Nächet auf solchen Matten verbracht, aber so richtig gut war keine Bodenübernachtung. In mehr oder minder Regelmäßigen Abständen bin ich wach geworden, weil Hüfte, oder Knie, oder Schultern schmerzten und ich die Position wechseln musste. Selbst meine 2cm dicke Matte bietet nur wenig Komfort.

Luftmatten

Beispiele: Hier möchte ich ein paar Isomatten empfehlen, weil es hier wirklich Unterschiede gibt. Ganz vorne auf jeden Fall die Exped Synmat Reihe (die Nummern geben jeweils die Dicke der Matte in cm an, also von 5-9cm). Es gibt auch noch die Downmat, aber da habe ich bisher die Notwendigkeit nicht gesehen, zudem sind sie noch teurer! Die Matten von Therm a Rest sind ebenfalls „legendär“ und mit ihnen kann man nichts falsch machen, da ist für jeden was dabei. Was besonders heraussticht ist da die Neo Air Venture (klein, recht leicht und sehr gut vom Packmaß, allerdings nicht für zu kalte Touren empfehlenswert, dafür recht preiswert) und die Neo Air Xlite (wahnsinnig leicht, klein, enorm bequem, und dabei eine hervorragende Isolierung – leider überhaupt nicht preiswert! Gibt es auch noch in einer Winter Version)

Vorteile
  • Sehr gute Isolation

ist hier in der Regel garantiert. Sofern man nicht die preisgünstigste Variante aus dem örtlichen Discounter nimmt (unbedingt Finger weg!). Vor allem hat man hier ein sehr…

  • …gutes Packmaß im Bezug zur Isolation!

Da ist die Luftmatte der Evazote klar überlegen. Ich habe eine Isomatte, die ist vom Packmaß her mit einer Nalgene Flasche zu vergleichen, eher etwas kleiner. Bei der Evazote Version wäre das maximal ein Sitzkissen. Wenn es also auf geringes Packmaß ankommt, ist die Luftmatte klar im Vorteil.

  • Sie ist wahnsinnig komfortabel!

Ein weiterer riesen Vorteil! Wahrscheinlich sogar DER große Vorteil! Eine Luftmatte ist ab ca. 5cm Höhe einfach wahnsinnig komfortabel. Es liegt sich darauf fast wie im heimischen Bett, bei idealer Isolation. Zudem gibt es ebenfalls…

  • …viele verschiedene Versionen,

so dass für jeden Geschmack, Geldbeutel und jeder Außentemperatur etwas dabei sein dürfte.

Nachteile
  • Hoher Preis

Vor allem im Vergleich zu einer Evazote ist die (hochwertige) Luftmatte deutlich teurer. Hier ist es zudem Ratsam nicht auf die billigste Version zu setzen, da der nachfolgende Nachteil dadurch nur noch weiter intensiviert wird, denn sie ist…

  • …enorm empfindlich!

Das ist ein wahnsinnig intensiver Nachteil! Ein kleiner Spitze Ast oder Stein, ein Funken der etwas zu weit geflogen ist, ein Ventil, dessen Dichtung einfach nicht mehr ganz so gut ist, eine interne Verklebung die sich durch den Druck gelöst oder verschoben hat und vorbei ist es mit der Nachtruhe, denn nun heißt es ertsmal – Loch suchen und flicken! Sofern das denn überhaupt möglich ist. Es kann sich wohl jeder vorstellen, dass das immer Nachts passiert und nur sehr wenig Spaß bereitet. Man sollte also immer eine schützende Unterlage dabei haben, bspw. eine Plane, eine schützende Hülle oder dergleichen. Und schon relativiert sich der Vorteil des Gewichts und des Packmaßes wieder ein bisschen. Zudem muss man sich überlegen, wenn der Schaden nicht geflickt werden kann, dann hat man keine (!) Isolation von unten mehr, denn ohne Luft taugen die Matten nichts.

  • Man muss sie erst aufpumpen oder aufpusten

Das ist an sich nicht schlimm, aber halt ein notwendiger Vorgang. Es ist lästig und anstrengend, wenn man eine sehr intensive Tour in den Knochen hat, bspw. kilometerlanges durch den Schnee stapfen oder heftige Steigunge etc. Jedenfalls ist es manchmal grenzwertig, wenn man schon arg erschöpft ist, noch eine Luftmatte aufblasen zu müssen. Das Aufpusten hat zudem den Nachteil, dass Atemluft mit in die Kammern kommt, was bei Frost zu Beschädigungen führen kann. Man kann aber auch für viel Geld Pumpsäcke kaufen! Für Exped Matten den Pumpsack mit dem schönen Namen Schnozzel und für Therm a Rest Neo Air Matten gibts die langweilig heißende Luftpumpe. Damit spart man sich das Aufpusten – geht schneller und verringert die Nässe innerhalb der Isomatte. Also dieser Nachteil lässt sich ausschalten, wenn man weiteres Geld und Equipment investieren will.

  • funktioniert nicht mit jeder Hängematte

Wie schon geschrieben sind die Luftmatten, für meinen Geschmack jedenfalls, einfach zu hoch für Hängematten. Da ändert sich der Schwerpunkt etwas und ich habe das Liegen als instabiler empfunden. Für Hängematten wie die Draumr hingegen sind Luftmatten zwingend erforderlich.

Fazit

Wie immer kommt es auf den Geschmack an und die Leidensbereitschaft – entweder bei den Fianzen oder beim Liegekomfort – so kann man das wohl zusammenfassen. ^^

Wenn es richtig richtig kalt ist, setze ich gerne auf eine Kombination aus Luftmatte und Evazote. Sollte die Luftmatte versagen, bin ich wenigstens nicht ohne Isolation. Denn am Ende des Tages steht Isolation vor Komfort! Wenn ich auf einer Tour bin und mich 100% auf die Isolation verlassen muss, dann setze ich auf Evazote! Wenn es noch passt, nehme ich eine einfache, leichte Luftmatte für den Komfort mit, aber wenn nicht, ziehe ich die absolute Zuverlässigkeit der Evazote vor.

Ich hoffe euch ein wenig bei der Entscheidungsfindung geholfen zu haben.

In diesem Sinne

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