Notsituationen proben

Notsituationen sind Situationen, die man eigentlich zu vermeiden versucht, doch im Kern der Not liegt die Tatsache, dass man diese manchmal nicht vermeiden kann, leider! Um so wichtiger ist es, meiner Meinung nach, Notsituationen unter kontrollierten Bedingungen zu proben.

Damit meine ich, dass man sich bewusst einer gewissen Widrigkeit, einer gewissen Not aussetzt, um damit zurecht zu kommen, daran zu wachsen und Erfahrungen zu sammeln. Das können ganz verschiedene Sitationen sein. Orientierungslosigkeit, kein Wasser, keine Nahrung, keine Licht oder auch keine Ausrüstung – Möglichkeiten gibt es da genug.

Wofür aber bewusst in diese Situation bringen? Der Erfahrung und der Konditionierung wegen! Jeder der neu anfängt draußen unterwegs zu sein hat es vielleicht bereits erlebt. Man hat seit Stunden kein Wasser mehr, alle Bäche sind ausgetrocknet, die Reserven verbraucht und unklar, wo man diese wieder auffüllen kann. Das ist eine ziemlich unangenehme Situation, das macht einen nervös, unsicher und ggf. hektisch.

Das ist eine Gemütslage, in der man dazu tendiert, falsche Entscheidungen zu treffen und genau das gilt es zu verhindern in dem man sich eine Art Erinnerung schafft, denn Erinnerungen daran, eine gewisse Notsituation bereits erlebt und gemeistert oder schlicht überstanden zu haben geben Ruhe und Zuversicht.

Notsituation ist hier ein starkes Wort und viele echte Notsituationen kann und sollte man nicht nachstellen.

So gab es eine Tour, bei der mein Wanderkumpel und ich etwa 3 Nächte nicht geschlafen haben und von Millionen kleinen Mücken zerstochen wurden, sobald wir auch nur einen Augenblick stehenblieben. An einem Punkt dachten wir schlafen zu können, wachten aber knapp eine Stunde später wieder von dem Schmerz auf, den taussende der winzigen schottischen Mücken, die sich über unseren Körper hermachten und diesen wie eine schwarze Haut bedeckten, auslösten. Daraufhin haben wir in aller Hektik, mitten in der Nacht, alles zusammen gepackt und uns weiter auf den Weg gemacht. Dabei war das Gelände alles andere als leicht und führte uns, total übermüdet und erschöpft, u.a. an einem Hang entlang, bis wir eininge Stunden später eine Hütte fanden und das erste Mal seit 3 Nächten ein paar Stunden Schlaf fanden (die Tour brachen wir danach ab).

Trotz der Hektik die in dieser Situation herrschte und trotz der Erschöpfung, haben wir den Weg ziemlich besonnen beschritten und das führe ich auf die Tatsache zurück, dass wir zuvor so einige Touren unter etwas extremeren Bedingungen gegangen sind. Durch unsere Zeit als Leistungssportler konnten wir mit diesen Strapazen umgehen, da wir diesen Zustand der extremen Erschöpfung nur zu gut kannten. Das soll nur ein Beispiel sein. Die Situation hätte man wahrscheinlich vermeiden können, wenn wir uns zurvor intensiver mit den Midgets auseinandergesetzt und ein extra feines (normale reichen nicht!) Mückennetz geholt hätten, aber das ist ein anderes Thema.

Worauf ich hinaus will: Wir kannten den Kern dieser Notsituation und wurden nicht panisch oder dergleichen, sondern haben funktioniert, unser Körper hat sich an ähnliche Situationen erinnert und das gab uns Ruhe und deswegen sollte man das ein oder andere proben.

Ich finde es wichtig einmal das Gefühl kennenzulernen, Hunger zu haben, aber kein Essen, nicht nur für ein paar Stunden! Noch wichtiger als das, dass Gefühl Durst zu haben! Auch wenn man weiß, dass man am nächsten Tag wieder daheim ist und einem keine wirliche Gefahr droht, allein dieses Gefühl kennenzulernen ist schon sehr intensiv und lehrreich. Ebenso ohne Licht unterwegs zu sein. Dadurch lernt man erst, wie sehr man aufs Tageslicht angewiesen ist, ebenso sollte man manche Abläufe, manche Kleinigkeiten, auch ohne Licht bewältigen können und so planen, dass man noch mit Licht sein Lager errichten kann. Ebenso ist es eine Erfahrung, wenn man einfach mal eine Nacht abwarten muss, vielleicht weil man nicht gut geplant hat oder gar nichts dabei hat, um sich ein Lager zu bauen und schlafen keine Option ist.

Auch eine non stop Tour ist eine sehr intensive Erfahrunge, weil man hier sowohl Überanstrengung als auch Übermüdung kennenlernt. Wir haben dafür zum Beispiel mal eine 24 Stunden Tour gemacht und sind dabei auch die ganze Nacht durchwandert.
Gerade bei Übungen, die Müdigkeit oder Anstrengung beinhalten gibt es ein Risiko, so dass aus einer geprobten Situation schnell ein ernstfall werden kann, man sollte sich also gut überlegen, was man tut, wie die Rahmenbedingungen sind und was man sich zumuten kann, denn die wichtigste, aller wichtigste Regel lautet: Das Ego bleibt daheim!!!

Hier kann ich gar nicht genug Ausrufezeichen setzen! Das Ego sollte niemals, bei keiner einzigen wichtigen Entscheidung, eine Rolle spielen, denn das Ego führt zu oft zu dummen Entscheidungen und Selbstüberschätzung! Es ist wichtig, objektiv beurteilen zu können, zu was man in der Lage ist, sich selbst zu kennen und weder zu Über- noch zu unterschätzen! Manchmal muss man wissen, was man kann und manchmal muss man wissen, was man nicht kann!
Grenzen kann man kennenlernen und schauen, wie weit man sie dehnen oder vielleicht sogar zu überschreiten man in der Lage ist, aber man sollte besonnen genug sein und sich eingestehen, wenn etwas nicht möglich ist und es dann auch sein lassen und den sicheren Weg gehen.

In diesem Sinne, passt auf euch auf.

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