Feuer mit nassem Holz

Wer auch immer aufgehört hat sich auf einen Gaskocher und Co zu verlassen, sondern die gute alte Feuerstelle zum Kochen nutzt, wird sich bestimmt an das erste Mal erinnern, dass es regnet und alles, wirklich alles nass ist. Vielleicht hat es auch geschneit, um den Schwierigkeitsgrad noch etwas zu erhöhen. Man hat sich schon halb damit abgefunden nichts warmes zu essen oder zu trinken machen zu können, aber versucht es trotzdem – einmal ist immer das erste Mal.

Wenn man sich vorher ein wenig kundig gemacht hat, und dazu soll dieser Artikel dienen, dann sogar mit Erfolg. Auch bei großer Nässe kann man noch ein Feuer in Gang bringen und wenn es erstmal läuft, dann spielt die Nässe auch nicht mehr eine so große Rolle. Doch es bedarf einiger Vorbereitung und ist nicht ganz so leicht, wie man es vielleicht gewohnt ist. Es kann auch mehrere Anläufe brauchen. Feuer mit nassem Holz ist  nicht so leicht, aber auch nicht so schwer wie manch einer denken mag.

Zunächst sollte man sich einen geschützten Bereich suchen. Entweder mitten im Wald, so dass einem die Bäume etwas Schutz bieten, oder man muss sich etwas bauen. Sei es mit einer Plane oder mit anderen Hölzern oder dergleichen. Wichtig ist, dass die Nässe von oben das Feuer nicht direkt wieder löscht. Hat man also erstmal für ein trockenes Lager gesorgt, kann man sich auf die Suche nach dem passenden Holz begeben.

Dabei ist primär darauf zu achten, dass man nichts nimmt, was direkten Bodenkontakt hatte, vor allem, wenn es schon länger nass ist. Was am Boden liegt ziegt generell Feuchtigkeit und sei es vom Tau, so dass es meist voll gesogen ist. Umgestürzte Bäume mit in die Luft ragenden Ästen, oder totes Holz, dass noch im erreichbarer Höhe am Baum ist (gerne und oft bei Nadelbäumen) sind da unsere liebsten Ziele. Auch wenn das Holz nass geregnet wurde, es kann sich nicht so sehr vollsaugen, weil es in der Luft hängt, Wasser abtroft und Wind trocknet. Der Kern ist meistens trocken.

Feuerholz 2 (Medium)

Hier ist ein schönes Beispiel für gut nutzbares Holz. Auch wenn es selber ziemlich nass war, am Ende hat es gebrannt.

Wenn man wirklich nichts in der Umgebung hat, was nicht auf dem Boden liegt, dann hat man natürlich keine Wahl. Hier sollte man jedoch nach möglichst dicken Ästen suchen sie am Boden liegen, weil man hier noch die größte Chance auf ein trockenes Stück hat.

Nachdem man das Holz in maximal Unterarm lange Stücke gesägt oder gehackt hat, entnfernt man zunächst die Rinde. Diese fungiert ein bisschen wie ein Schwamm und hier steckt sehr viel Feuchtigkeit die man nicht in seinem Feuer haben will, also ab damit! Nun halbiert, bzw. viertelt man die Hölzer. Entweder nutzt man dazu eine Axt oder das Messer.

BK2 6 (Medium)
Das Bild war von einer anderen, trockenen Tour, daher ist die Rinde dran.

Meist nehme ich mir eines der Viertel und schnitze mit dem Messer mehr oder minder feine Späne davon ab, um gutes Futter für das Feuer zu bekommen. Ich nehme dazu die Spitze Seite des Viertels, dass diese Spitze genau in der Mitte vom Holz war und damit mit großer Wahrscheinlichkeit ziemlich trocken.

Feuerholz 4 (Medium)

Diese Späne lege ich erstmal beiseite, natürlich auf trockenem Grund, oder in eine Tüte oder zur Not auch einfach in die Hosentasche, wenn diese trocken ist. Das hat übrigens den Vorteil, dass ggf. Restfeuchtigkeit vom Stoff der Hose aufgenommen wird und die Späne noch ein klein bisschen (nicht sooo viel, aber immerhin) trockener macht.

Danach widme ich mich wieder den anderen Holzstücken. Nehme etwa ein Drittel davon und spalte sie erneut und erneut, bis ich etwa Stücken in der Dicke von Bleistiften habe. Das wird dann die zweite Ladung, bzw. die erste zum Nachlegen.

Feuerholz 1 (Medium)

Je nach Dicke der restlichen Stücke, spalte ich sie ein weiteres Mal, oder lasse sie, wie sie sind. Zum Schluss suche ich dann noch weiteres Holz, so trocken wie möglich, und entferne nur grob die Rinde. Dieses Holz kommt am Schluss ins Feuer, wenn dieses schon so stark ist, dass Nässe kein problem mehr ist (auf dem folgenden Bild nur im Hintergrund zu sehen)

Feuerholz 3 (Medium)

Nun muss man natürlich das Feuer erstmal in Gang bekommen. Ich fange hier jetzt nicht mit irgendeiner Holzbohrer Variante an, denn ich halte nicht soo viel davon. Natürlich ist sie ursprünglich und total Bushcraft und so, aber sie kostet wahnsinnig viel Zeit und Kraft und es gibt nichtmal eine Erfolgsgarantie. Mit steigender Erfahrung wird das zwar besser, aber die Arbeit und Zeit muss man investieren. Ich setze hier einfach mal einen Feuerstahl voraus (Feuerzeug oder Streichholz gehen zur Not auch).

Wenn man Birke in der Nähe hat, umso besser, dann kann man nämlich etwas von der Rinde nehmen (so trocken wie möglich) und mit dem Messer die Aussenschicht aufrauen und Schaben, dass man nacher ein kleines Häufchen ganz feiner Späne, hat. Das ist auf dem Bild leider nicht ganz so gut zu erkennen, aber ich denke es wird deutlich genug. In der Birkenrinde sind aetherische Öle die wirklich gut brennen sogar im feuchten Zustand.

Feuerholz 5 (Medium)

Wenn man keine Birke zur Hand hat, kann man auch mit dem Messer noch feinere Späne schnitzen als auf dem dritten Bild zu sehen und zwar reichlich davon, mindestens eine Hand voll. Dieses ganz feine Material kann man auch relativ leicht entzünden. Je nach Witterung können sogar die zuerst gezeigten Späne schon ausreichen, hat man ein Feuerzeug/Streichholz dabei und kann die Flamme länger drauf halten, geht es auf jeden Fall, der Feuerstahl hingegen möchte schon wirklich feines Material haben.

Wenn man nicht ganz minimalistisch unterwegs sein will, hat man ein wenig Zunder dabei. Ich nutze seit Jahren, und kann es jedem immer und immer wieder empfehlen, Watte (100% Baumwolle!!!) und Vaseline. Daraus mache ich Murmel große Kugeln, und habe sie in einer kleinen Tüte immer dabei – wiegt nichts, kostet nicht. Damit dieser Zunder besonders gut Feuer fängt, zieht man diese Kugeln etwas auseinander, wie auf dem folgenden Bild zu sehen. Meist reicht ein einziger Funkenschlag und es brennt. Dank der in die Watte eingeriebenen Vaseline, brennen diese Kugeln sehr lange und heiß. Zudem sind sie Wasserfest.

Feuerholz 6 (Medium)

Nun hat man eigentlich alles vorbereitet für sein Feuer. Aber eins fehlt noch! Man sollte sich einen Boden schaffen. Dazu nimmt man ein paar ruhig etwas dickere Äste und legt diese dicht aneinander auf den Boden. Das wird quasi der Untergrund des Feuers. Die Rinde sollte hier wieder möglichst entfernt sein,  auch sollte das Holz nicht vermodert oder durchnässt sein, muss aber nicht so trocken sein, wie der Rest. Durch den nun gewonnenen Abstand zum Boden kann das Feuer etwas Besser Sauerstoff ziehen, zum anderen wird das frische Feuer vor der Nässe des Bodens geschützt.

Man entzündet sein Zunder, wenn es richtig brennt, legt man die Späne drauf und wartet bis sie richtig Feuer fangen, dann legt man eine Hand voll der Bleistifte nach und schließlich die halbierten oder geviertelten Stücke.

Feuerholz 7 (Medium)

Ich bereite alles Holz gerne vor ehe ich anfange, so dass ich währenddessen nicht neues Holz holen muss. Wenn das Feuer dann erstmal in Gang ist, kann man nach und nach alles andere verfeuern. Natürlich zunächst das trockenste Material und je stärker das Feuer wird, desto mehr feuchtes Material kann man dann hinein werfen und sich sein Essen zubereiten.

Feuerholz 8 (Medium)

Feuerholz 10 (Medium)

Das feuchte Holz lege ich gerne gleich zu Beginn an den Rand des Feuers, denn die Hitze trocknet es etwas und wenn ich die Stücke dann hinein werfe, fangen sie wesentlich schneller und besser an zu brennen.

In diesem Sinne

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