Wandern mit der Freundin

schilder 69

Zunächst einmal, bevor ich Ärger bekomme, will ich hier keinem Klischee auferliegen oder die Meinung unterstützen, dass Outdoor Tätigkeiten inkl. dem Nächtigen unter freiem Himmel reine Männersache wäre. Das ist quatsch. Ich weiß, dass viele Frauen genauso Outdoor aktiv sind und wenig Scheu haben draußen zu übernachten wie Männer. Und ich weiß das viele Männer diese Scheu haben, wie viele Frauen sie eben auch haben. Ich würde hier nicht sagen, dass dies eine Geschlechterspezifische Angelegenheit ist, sondern eine rein menschliche – es gibt Solche und Solche, solche die es mögen, solche die es nicht mögen!

Jetzt wo das geklärt ist, will ich zum Sinn des Artikels kommen.

Ich spreche hier einzig und allein diejenigen an, die einen Partner haben, für den es vielleicht eine gewisse Überwindung bedeutet draußen zu übernachten. In erster Linie sollte man niemanden zwingen! Keiner hat etwas davon, wenn sich einer unwohl fühlt oder vielleicht sogar Angst hat. Drängen ist hier also definitiv fehl am Platz. Möchte ein Partner gerne einmal mitkommen, also aus eigenen Stücken, so gibt es ein paar Punkte die man beachten kann, um es einfach angenehmer zu machen für jemanden, der nicht sowieso schon dafür brennt.

Ich schreibe in der Überschrift von „Wandern mit der Freundin“ aber einzig, weil ich halt aus eigener Erfahrung spreche und von dem, was ich eben von meiner Partnerin erfahren habe. Wenn also noch jemand Ideen und Anregungen hat, jederzeit gerne.

Ich gehe hier jetzt mal ein paar Dinge durch, die mir mitgeteilt wurden oder die mir so eingefallen sind. Also nicht dass all das folgende auf meine Partnerin zutreffen würde, definitiv nicht 😀

Schlafkomfort

Der Schlafkomfort kann durchaus ein Thema sein. Das hängt immer ein wenig mit dem Setting zusammen. Wenn jemand schon bei dem Gedanken auf dem Boden zu schlafen Rückenschmerzen bekommt, dann kann man da durchaus was gegen tun. Wenn man Luftmatten nutzt, wird der Komfort erheblich gesteigert. Dabei müssen das nicht immer die teuren sein, für die Tour „hin und wieder mal“ ist auch eine preiswerte aber etwas schwerere voll und ganz ok. Der Stärkere von beiden kann dann ja das Mehr an Gewicht tragen 🙂 Ein aufblasbares Kissen ist ein weiterer Punkt. Das erhöht den Komfort enorm, kostet wenig und kann die Nacht wirklich versüßen. Der richtige Schlafsack, der sowohl von der Größe her passt und nicht unbedingt das muffige Modell aus dem Keller ist, sollte auch gegeben sein. Man sollte da noch gerne drin liegen, denn wenn es schon eine Überwindung ist sich überhaupt in den Schlafsack zu legen, dann macht es ein alter muffiger Schlafsack nicht besser. Manchmal ist es auch ratsam einen etwas größeren zu benutzen. Manch einer verspürt eine gewisse Beklemmung dabei, in einem solchen geschlossenem System zu schlafen. Etwas mehr Platz oder die Möglichkeit auch angewinkelt und gemütlich zu liegen wirken da Wunder 🙂

Kälte- und Nässeschutz

Das führt nahtlos zum Bereich Kälteschutz. Ist die Begleitung vielleicht Kälteempfindlich und friert schnell? Dann kann man auch im Sommer durchaus mal den Winter- oder Herbstschlafsack nutzen. Zu frieren ist durchaus eine häufige Sorge. Also lieber einen wärmeren Schlafsack wählen, selbiges gilt natürlich genauso für die Isolation nach unten. Man kann auch eine dünne Evazote und eine Luftmatratze aufeinander legen, dann ist es auch im Winter kuschlig warm von unten.

Vergessen sollte man aber auch nicht gegenteiliges. Ist jemandem chronisch warm, dann ist ein besonders warmer Schlafsack wirklich keine gute Idee. Ich persönlich bspw. finde einen zu warmen Schlafsack in dem ich schwitze wesentlich schlimmer und unangenehmer, als einen, in dem ich leicht fröstel. Das ist aber eben immer unterschiedlich.

Was Kälteschutz angeht sollte das natürlich auch bei der Kleidung nicht in Vergessenheit geraten. Vielleicht kann man bei der Auswahl der Kleidung unterstützen? Man sollte bedenken, dass es Abends und morgens viel kühler ist. Die Vorstellung sich aus dem Schlafsack zu schälen und in die Kälte zu kommen ist für viele nicht gerade angenehm. Eine gute Isolation wirkt auch da Wunder. Schon im Schlafsack kann man Teile davon anziehen (lange Unterwäsche bspw.), beim Aufstehen dann den Rest. So gibt es diese „Kältebrücke“ gar nicht erst. Setzt man jetzt noch einen Kaffee oder Tee auf, steht einem gemütlichen Morgen eigentlich nichts mehr im Wege. Hier ist natürlich immer auf das Schichtensystem zu setzen. Lieber mehrere Schichten, als ein zu warmes Teil, so kann man immer die richtige Kombination wählen. Auch ein Buff oder Handschuhe sind keine schlechte Idee und sei es nur für die Abend- oder Morgenstunden.

Dass man ausreichend Nässeschutz dabei hat, sollte klar sein.

Insgesamt sollte man ein Auge darauf haben, dass genügend Kälte- und Nässeschutz für die Begleitung dabei ist. Selbst wenn man vieles davon selbst nicht braucht, immer wieder daran danken, dass es ggf. ein bisschen Überwindung des anderen Verlangt oder vielleicht kommt die Begleitung auch nur der Zweisamkeit wegen mit, dann kann man doch dafür sorgen, dass es möglichst angenehm wird, oder?

Auf jeden Fall sollte man auch auf den Wettebericht achten. Wenn ohnehin Sturm und Regen angesagt sind, dann sollte man die Tour vielleicht verschieben? Oder nur wandern ohne zu übernachten?

Hygiene

Hier kommen wir zum schwierigsten Thema, denn hier hat man nur begrenzte Möglichkeiten. Reinigungstücher und Desinfektionstücher sollten ebenso dabei sein wie eine naturverträgliche Waschlotion, sofern man vor hat länger draußen zu bleiben. Natürlich kann man sich im Bach waschen, aber um das zu tun, muss man schon wirklich gerne draußen sein. Ich glaube der Vorschlag „hey, du kannst dich doch im eiskalten Bach, in aller Frühe, waschen“ wird eher selten Begeisterungsstürme hervorrufen.

Ich verfolge hier lieber einen anderen Ansatz. Wir haben es so gelöst, dass wir am Tag 1 früh anreisen, wandern, übernachten und am Tag 2 recht früh wieder abreisen in Richtung Dusche 🙂

Ich wage mal zu behaupten, dass Hygiene für Frauen meist wichtiger ist als den Männern. Ich glaube damit lehne ich mich nicht zu sehr aus dem Fenster, oder? Nun, gerade bei längeren Haaren ist das Waschen im Bach, so erfrischend es auch ist, keine wirklich gute Option, das sehe ich ein. Ich hatte selber mal längere Haare und das ist wirklich eher unpraktisch. Fühlt sich also jemand unwohl bei dem Gedanken sich nicht richtig duschen zu können, so ist diese „frühe Anreise frühe Abreise“ Taktik meiner Meinung nach die Beste aber natürlich nicht die einzige Möglichkeit, denn…

Es gibt Solar Duschen (hier irgendein Beispiel, ich habe da keine eigenen Erfahrungen mit)! Im Prinzip schwarze Wassersäcke, die in der Sonne aufgewärmt werden. Manche haben Solarpannels darauf, um das Wasser aktiv zu erwärmen. Diese Säcke kann man in den Baum hängen, um sich normal zu duschen, sogar mit warmen Wasser. Natürlich sollte die Außentemperatur passen.

Sicherheit

Ein weiterer Punkt, der es vielen eher fremd erscheinen lässt draußen zu übernachten, ist der Punkt Sicherheit. Selbst wenn der Kopf weiß, dass einem keine Gefahr droht, ist es schon eine besondere Situation Nachts im Wald zu schlafen. Siehe dazu diesen Artikel.

Man sollte also eine gewisse Sicherheit schaffen. Das einfachste Mittel ist sicherlich das Zelt. Hier hat man einen geschlossenen Raum in den man sich zurückziehen kann. Das ist aber nicht für jeden eine Option. Ich selber bspw. mag keine Zelte, weil ich mich darin „eingesperrt“ fühle.

Eine andere Option sind die Wetterschutzhütten. Damit hat man zumindest eine feste, zu einer Seite geöffnete, Behausung. Das gibt auch eine gewisse Sicherheit.

Man sollte sich zudem überlegen, wie weit man sich vom nächsten Ort entfernen möchte. Der Gedanke im Notfall Hilfe holen zu können, kann auch arg beruhigend sein. Im Vorfeld einfach mal darüber sprechen.

Insekten

Wenn man auf dem Fußboden liegt, in einem Wald, oder in einer Schutzhütte, dann kommt man durchaus mal in (Sicht-)Kontakt mit Insekten. Gibt es da eine Phobie? Nicht weniger schlimm, gibt es da irgendeine Allergie?

Für den grundsätzlichen Schutz kann man sich ein Mückennetz holen, entweder eines für den Kopf, so dass einem die Mücken o.ä. nicht so sehr stören, oder eines, dass man über den ganzen Schlafplatz legen kann. Ein Zelt hat hier den Vorteil, dass oft ein Mückennetz dazu gehört. Die üblichen Mittelchen gegen Insekten können auch helfen, hier würde ich aber die natürlichen empfehlen. Man ist schließlich selber ein Eindringling in das Gebiet, also sollte man keine Tiere vergiften, nur weil man sich durch sie gestört fühl.

Eine bessere Möglichkeit sehe ich darin, einfach den Reisezeitpunkt in eine Saison zu legen, wo der Insektenkontakt eher gering ist. Der Hochsommer ist da also eher zu meiden, denn da fliegt und krabbelt alles. Im Herbst bspw. ist es da schon deutlich ruhiger.

Sofern Allergien vorliegen, ist ein Antiallergikum natürlich Pflicht!

Reisezeitpunkt

Einige der genannten Punkte werden auch wichtiger oder weniger wichtig, je nachdem zu welcher Jahreszeit man unterwegs ist. Das sollte man bedenken. Jemand der schnell friert, sollte nicht unbedingt im Winter mitkommen, jemand der Insekten so gar nicht mag, nicht im Sommer etc. Die Jahreszeit sollte also den Umständen angepasst werden, weil man dadurch einfach viele „Probleme“ von vorn herein verhindern kann.

Gewicht

Zuletzt das Gewicht. Hier ist natürlich nicht das des Partners gemeint, sondern das des Rucksackes. Man packt alles zusammen, was man für beide benötigt und der Stärkere trägt 2/3 davon. Ich finde, dass ist eine gute Regelung. Jemand der das Gewicht eines Rucksackes nicht gewohnt ist, sollte damit nicht gleich überfordert werden.

Fazit

Mal wieder ein langer Text, aber am Ende, sollte man sich einfach mal zusammensetzen und evaluieren, was man mag und was nicht. Dann sollte sich schnell eine Option finden lassen, die für beide Seiten angenehm ist. Einer schönen gemeinsamen Outdoor Erinnerung steht also nichts mehr im Wege. Viel Spaß.

In diesem Sinne

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