Outdoor Gefahren: Zecken

zecken

Wer kennt sie nicht? Diese kleinen, unnützen Viehcher, die es einem vermiesen, im Sommer zu wandern, weil ein Absuchen des Körpers mittlerweile einfach Pflicht geworden ist. Das Lager auf einer Wiese aufbauen oder sich in selbige legen? Nein Danke, zumindest für mich!

Das letzte Mal, als ich das tat war ich in Österreich. Mit einer guten Freundin war ich dort wandern, hatte extra ein Moskitonetz-Zelt geholt. Als ich morgens aufwachte, bemerkte ich sogleich eine Zecke, die über den Schlafsack krabbelte. Gleich nahm ich meine Stirnlampe und fand weitere, am Schlafsack, auf dem Zeltboden, an mir selber, im Schlafsack, ÜBERALL!! Am Ende hatte ich 21 Zecken gefunden (und wie sich herausstellte waren das nicht alle, eine hatte ich übersehen und die hat mich natürlich gebissen). Seit dem sind Zecken für mich ein Thema geworden. Zudem sind in meinem Bekanntenkreis mittlerweile 3 Menschen durch Zeckenbisse an Borreliose erkrankt – und das waren nichtmal Wanderer, sie haben sich also nicht in „erhöhte Gefahr“ begeben indem sie draußen genächtigt haben.

Wegen dieser beiden doch ziemlich starken Gründe wie ich finde, bin ich sehr sensibilisiert, wenn es um das Thema Zecken geht. Sobald die Temperaturen über 6-10 Grad steigen werden die kleinen Biester aktiv und man muss aufpassen. Da die Winter mittlerweile recht mild geworden sind, ist man auch im Winter nicht sicher, einzig wenn Schnee liegt. Doch an milden, 10 Grad Tagen im Winter, können die Zecken wieder aktiv werden und sich Beute suchen – uns! Sicherlich sind es in der Summe deutlich weniger als bspw. im Sommer, aber als Bushcrafter oder Wanderer steigt natürlich das Risiko, denn man ist da unterwegs, wo die Zecke daheim ist.

Die Gefahr im Winter ist de facto geringer, zum Ausdruck bringen wollte ich nur, dass man sich wirklich immer nach Zecken absuchen sollte wenn man draußen genächtigt hat, das sollte einfach dazu gehören, auch im Winter. Liegt man nämlich bspw. auf dem Boden, kann schon die Körperwärme eine Zecke reaktivieren. Primäre Zeckenzeit ist März bis September, durch die Veränderungen im Klima ist das aber ein sich stetig ausweitender Zeitraum.

Hier mal ein paar weitere Informationen dazu, wie robust Zecken sind. Will man sie ertränken? Keine Chance, Zecken können über eine Woche unter Wasser verbringen. Erfrieren? Man muss sie schon direkter Kälte von etwa  -15 besser -20 Grad aussetzen, wie lange, dazu gibt es noch keine genauen Ergebnisse, mal länger, mal weniger lang, im Mindestfall 1 Tag! Tot durch Waschmaschine? Nur bei 60 Grad und auch nicht immer!

Vorbeugen

Kommen wir nun aber zu erfreulicherem. Zecken lassen sich meistens ein paar Stunden Zeit, ehe sie zubeißen, durch regelmäßiges Absuchen kann man also schon die Gefahr deutlich reduzieren überhaupt gebissen zu werden. Auch eng anliegende Kleidung macht es den Biestern schwer, die Haut zu erreichen, man gewinnt also weitere Zeit.

Übertragbare Krankheiten

Die Zecken übertragen im wesentlichen zwei Krankheiten die für den Menschen gefährlich sind. Einmal eben Borreliose und FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis). Beide Krankheiten können im ärgsten Fall sogar tödlich verlaufen, auch wenn die Wahrscheinlichkeit zum Glück ziemlich gering ist. Nichts desto trotz können bleibende Schäden entstehen.

FSME – Gegen FSME kann man sich impfen lassen. Etwa 5% der Zecken sind infiziert und übrtragen diesen Virus. Zumeist sind Zecken aus den Risikogebieten infiziert. Vorzubeugen ist hier definitiv anzuraten, vor allem eben in den Risikogebieten. 5% sind zwar nicht so viel, doch FSME kann nur symptomatisch behandelt werden, bleibende Schäden verursachen und sogar zum Tode führen. Meist verläuft die Krankheit in 2 Phasen. 1-3 Wochen nach dem Biss kommen Grippeähnliche Symptome, dann folgt eine kurze beschwerdefreie Zeit und dann setzt Fieber ein, in Begleitung einer Hirnhautentzündung die sich oft durch Kopfschmerzen und Nackensteifheit ankündigt.

Borreliose – Etwa 10 – 30% aller Zecken in Deutschland sind infiziert und übertragen diese Bakterien. Dabei gibt es keine besonderen Risikogebiete für Borreliose, sie kann überall auftreten! Borreliose kann, mit starker Antibiotika Gabe behandelt werden, sofern sie rechtzeitig diagnostiziert wird. Leider kann man sich dagegen nicht impfen lassen und wird auch nicht immun. Auch Borreliose kann bleibende Schäden verursachen und zu teils starken Nervenschädigungen führen. Die Erkrankung verläuft meist in 3 Phasen, wobei die Phasen auch unabhängig voneinander auftreten können. Phase 1 – bis zu 8 Wochen nach dem Biss: Hautrötung (mindestens 5cm Ø) um den Biss (Wanderröte), begleitend Grippe ähnliche Symptome.

ACHTUNG – AUSBLEIBENDE WANDERRÖTE SCHLIEßT BORRELIOSE NICHT AUS!!!

Die Wanderröte ist nur ein mögliches Anzeichen. Phase 2 – bis zu mehreren Monaten nach dem Biss: Beschwerden des Nervensystems, Gelenkbeschwerden, Herzrhythmusstörungen, einzelne Hautknoten. Phase 3 – Jahre nach dem Biss: Schwellung großer Gelenke, Beschwerden des Nervensystems, lila-rötliche Hautveränderungen.

Das Beruhigende! Die Bakterien befinden sich im Darmtrakt und es braucht meist bis zu 24 Stunden des „Saugens“, bis sich dieser in den Wirt „entleert“ (gilt nur für die Borreliose Bakterien, die FSME Viren sind in den Speicheldrüsen und können sofort übertragen werden). Daher ist regelmäßiges Absuchen eben so wichtig! Selbst wenn man von einer infizierten Zecke gebissen wurde, kann man durch rechtzeitiges entfernen eine Ansteckung verhindern!

 

Zecken richtig entfernen

Bitte alle ominösen Versuche mit Eisspray, Kleber, Öl oder dergleichen vergessen! Das kann bei der Zecke zum Schock führen, wodurch sie sich quasi „erbricht“ und ratet wo das „erbrochene landet“, genau, in unserer Blutbahn und ratet, wo sich die jeweiligen Erreger befinden – genau, im Darm und im Speichel! Also dumme Idee!

Um die Zecke richtig zu entfernen, sollte man sie Hautnah zu fassen bekommen und nach Möglichkeit NICHT dabei quetschen! Wir wollen nichts von der Zecke in uns, also sollten wir sie nicht auch noch auspressen! Eine Pinzette, eine Zeckenzange oder zur Not auch längere Fingernägel funktionieren. Man kann die Zecke dabei sanft hin und her bewegen. Es kann durchaus etwas zurückbleiben, das sind die Beißwerkzeuge und nicht unbedingt der Kopf wie man oft glaubt. Das ist nicht schlimm. Meistens wird das von selbst abgestoßen, ein Arztbesuch wäre ansonsten auch keine schlechte Idee!

Wann zum Arzt?

Bei allen Grippeähnlichen Symptomen die nach dem Biss auftreten sollte man zur Sicherheit zum Arzt gehen. Sollte sich eine Rötung um den Biss gebildet haben, sowieso direkt zum Arzt! Diese Rötung kann, muss aber nicht auftreten. Sowieso kann es mehrere Wochen dauern bis Symtome auftreten, daher sollte man nach einem Biss aufmerksamer sein als sonst.

Hilfsmittel?

Ich selber verwende ein Spray und bilde mir ein, dass es ganz gut ist. Zur Unterstützung kann man es verwenden, das Absuchen ist und bleibt der beste Schutz. Ich nutze No Bite Kleidung und No Bite Haut. Eine Zeckenzange habe ich nicht, aber eine gute Pinzette, das ist mehr als ausreichend.

In diesem Sinne

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s