Angst Nachts im Wald?

Die Angst Nachts im Wald zu sein, ist enorm weit verbreitet und ich bin mir sicher, dass fast jeder des Nachts im Wald schon mal ein etwas mulmiges Gefühl hatte. Vielleicht keine Angst, aber eine gewisse Angespanntheit. Nun ist es aber so, dass der Wald uns natürlichen Schutz bietet, vor allem, wenn man die Nacht eben draußen verbringen möchte, aber genauso ist man natürlich ziemlich allein und in gewisser Weise vermeintlich ausgeliefert. Für den ein oder anderen mag eben dieser Gedanke es verhindern, überhaupt draußen übernachten zu mögen.

Aber zunächst einmal, warum haben wir den Angst im Wald wenn die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist? Und noch wichtiger, was kann man dagegen tun? Nun, das hat eine ganze Reihe von Gründen, das fängt bei den Märchen von den bösen Räubern im Wald an und geht eben bis zu der Tatsache, dass man sich schnell verlaufen kann wenn man nicht aufpasst. In vielen Geschichten wird der Wald, gerade in der Nacht, als etwas bedrohliches dargestellt und dieses Bild verfestigt sich manchmal im Inneren und man kopiert für sich selber diese Einstellung, bzw. hat automatisch diese Verknüpfung. Ebenso hat man sich manchmal auch ein wenig von der Natur entfernt und so fühlt man sich im Wald ausgeliefert, allein und in allen belangen im Nachteil (man sieht nichts, aber wird gesehen, hat kein Versteck etc.). Wer schon häufiger im Wald übernachtet hat, weiß, dass er einem eher Schutz bietet und viele Möglichkeiten sich eine Unterkunft zu bauen. Dann sind auch noch die Sinne extrem gespannt und viele Schatten spielen einem Streiche und so intensivieren sich ganz viele Gefühle der Vorsicht und dadurch entsteht Unwohlsein und eben auch Angst.

Ich beschreibe hier im folgenden jeweils ein Problem, und dann eine mögliche Lösung.

Grundsätzlicher Tipp: Gemeinsam ist man stärker, blöde Floskel, aber wahr. Möchte man diese Angst loswerden, ist es eine gute Option das nicht alleine zu tun, sondern mit jemandem zusammen. Man wird feststellen, dass man sich sofort bedeutend sicherer fühlt (selbst wenn beide sich unwohl fühlen) und so kann auch eine Gewöhnung einsetzen.

Problem: Wenn das Licht verschwunden ist und man sich mitten im Wald befindet, dann merkt man ziemlich deutlich, wie Hilflos der Mensch in der Dunkelheit ist, wenn er sich keinerlei Hilfsmittel bedient. Ich denke, das verunsichert viele. Hat man kein künstliches Licht dabei, kann man nach dem Sonnenuntergang nichts mehr tun, wirklich nichts, da man die Hand vor Augen nicht sieht! Evtl. hat der Mond noch genügend Kraft etwas Licht zu schenken, aber die Dunkelheit ist gerade im Wald übermächtig und man kann sich schon ziemlich verlassen oder sogar ausgeliefert vorkommen. Die Nachtsicht der Augen setzt nach circa 45 Minuten ein, aber ohne eine Lichtquelle wie den Mond, hat man im Wald keine Chance mehr etwas zu sehen.

Lösung: Lampe mitnehmen, und eine Ersatzbatterie dazu! Es wird zunächst ein merkwürdiges Gefühl bleiben, doch die Lampe und die Batterie geben die Sicherheit, nicht im Dunkeln zu stehen, im wahrsten Sinne. Gerade wenn man ein Problem mit der Dunkelheit hat sollte man sich lieber eine Lampe mehr, oder eine hellere Lampe mitnehmen und da nicht sparen. Ich mag Stirnlampen sehr gerne, da man immer in Blickrichtung das Licht hat und die Hände frei sind. Eine Taschenlampe funktioniert aber natürlich genauso und kann auch ergänzend helfen.

Problem: Die Dunkelheit verunsichert aber auch, wenn man Licht dabei hat, denn Licht verursacht Schatten und eben diese Schatten können einem ziemliche Streiche spielen! Dessen sollte man sich bewusst sein. Man schwenkt das Licht, hat es wie beschrieben vielleicht als Kopflampe immer in Blickrichtung, und so, wie man das Licht bewegt, bewegen sich auch die Schatten und die können im Wald ganz intensiv auf einen wirken, weil einfach auch so viele Strukturen im Wald sind, dass die Schatten sich manchmal auf ganz merkwürdige Weise „bewegen“ und so meint man all zu oft tatsächliche Bewegungen wahrzunehmen, wo keine sind. Man fühlt sich beobachtet, verfolgt…

Lösung: Allen voran ist das natürlich eine Kopfsache, doch wenn sich ein Gedanke, eine Sorge oder eine Angst erstmal festgesetzt hat, dann ist es nicht so leicht das wieder abzuschütteln. Daher nutzen die ganzen guten Ratschläge „nicht dran denken“ oder sicher selber sagen „sind ja nur Schatten“ gar nichts. Dennoch kann man dem ganzen versuchen mit Logik zu begegnen und zwar über das Ausschlussverfahren. Erste Frage, gibt es in der Umgebung in der ich mich befinde Tiere, die einem gefährlich werden können? Wenn ja, gilt der nachfolgende Tipp nicht, dann sollte man sich nämlich fragen, warum man sich überhaupt ungeschützt in der Dunkelheit befindet, da ist wohl was schief gelaufen 😉 wenn nicht, dann gehts weiter. Tiere sind also keine Gefahr. Was könnte es dann sein? Andere Menschen? Räuber? Nun ja, Räuber sind heutzutage eher in der Stadt zu finden, als im Wald, aber andere Menschen könnten natürlich auch eine Gefahrenquelle sein, das ist leider so. Dann kann man aber einfach etwas machen. Naja, einfach ist leicht gesagt, kostet aber ein wenig Mut. Einfach mal das Licht ausmachen, und langsam in die Hocke gehen. Warum? Wenn da ein Mensch sein sollte, kann man den entweder sofort dadurch ausmachen, dass er ebenfalls eine Lichtquelle nutzt und wenn nicht, dann sieht er gerade genauso wenig, wie man selber auch. Gegen das Kopfkino ist kein Kraut gewachsen und Ängste wachsen eben im Kopf. Man kann versuchen ihnen entgegen zu wirken und sie zu regulieren, damit man ihnen keine Macht über sich gewährt. Wenn man sich selbst die Möglichkeit gibt anhand von Fakten auszuschließen, dass dort etwas ist, gibt das vielleicht ein bisschen mehr Ruhe, dadurch verschwindet die Angst nicht unbedingt, denn in vielen Fällen ist sie ja nicht rational. Sich dessen bewusst zu werden hilft aber dabei, die Angst zu überwinden, denn genau das muss man eben tun oder können.

Problem: Nachts unterwegs zu sein ist das eine, aber was ist, wenn das Licht eben aus ist und man sich schlafen legt?

Lösung: Das dürfte wohl die Königsdisziplin sein und vielleicht sollte man sich zunächst ein wenig an den dunklen Wald gewöhnen, ehe man sich überwinden möchte, darin zu schlafen. Was kann man hier also tun? Zunächst einmal fast der gleiche Tipp wie zuvor. Die erste Nacht würde ich auf jeden Fall in Gesellschaft empfehlen, das macht es schonmal leichter. Man kann sich nun versuchen etwas Sicherheit zu schaffen. Beispielsweise einen Schlafplatz suchen, der nur von einer Seite her zugänglich ist, am besten frontal, denn so weiß man, dass sich von hinten nichts „anschleichen“ kann (auch irrationale Ängste kann man ausschließen, um sich Sicherheit zu geben). Wenn man sich im Schlafsack eingesperrt fühlt, kann man auch eine dicke Decke nutzen (Achtung, nicht bei jeder Temperatur zu empfehlen!), damit ist man ein wenig freier. Die Lampe sollte in unmittelbarer Griffnähe liegen. Das gleiche gilt für das Messer, dass man bei Aktivitäten im Wald ohnehin dabei haben sollte. Das gibt auch zusätzliche Sicherheit, zumindest für den Kopf. Diese beiden Punkte sind für mich selber essentiell, Messer und Stirnlampe liegen in unmittelbarer Nähe. Dadurch fühle ich mich einfach sicherer. Man kann seinen Schlafplatz so wählen, dass er nur schwer zugänglich ist, das ist auch eine Option um sich Sicherheit zu gewähren.

Problem: Alle logischen Auslöser der Angst sind ausgeschlossen, man ist sich bewusst, dass einem nichts passieren kann und das die Angst unbegründet ist, aber man hat dennoch Angst.

Lösung: Ich weiß nicht, ob sich alle Ängste überwinden lassen können, es kann also durchaus sein, dass diese Angst nicht zu bewältigen ist für den ein oder anderen. Ich glaube aber, dass man sehr viele, sogar die meisten Ängste überwinden kann um ihrer Herr zu werden und das passiert, meiner Meinung nach, am besten durch systematische Desensibilisierung. Natürlich gibt es Angstzustände von solcher Intensität, dass vielleicht ärztliche Hilfe eine Lösung wäre, aber ich spreche hier von Ängsten geringeren Levels. Die systematische Desensibilisierung meint das schrittweise Gewöhnen an das, was einem Angst bereitet. Wenn man sich dem bewusst immer wieder und auch in steigender Intensität aussetzt, tritt auf kurz oder lang ein Gewöhnungseffekt ein. Hat man sich an das Wandern in der Dämmerung gewöhnt, kann man sich der Nacht widmen, hat man sich daran gewöhnt, kann man vielleicht mal länger an einem Ort verweilen in der Nacht, ist das normal geworden, kann man übernachten, vielleicht in Schutzhütten, dort hat man ein geschütztes Umfeld, nur einen Eingang etc. dann vielleicht ganz frei. Die einzelnen Schritte lassen sich jeweils noch in „alleine“ und „in Gesellschaft“ aufsplitten wenn man das denn möchte.

Wie sieht es bei mir aus?

Ich habe mit der Dunkelheit an sich zum Glück nie Probleme gehabt. Natürlich sind die Sinne extrem gespitzt und gerade die erste Nacht draußen nach längerer Zeit der Wald Abstinenz ist meistens recht unruhig, weil die Sinne so gespitzt sind, dass ich auf alles reagiere. Eine gewisse Angespanntheit ist also auf jeden Fall da, das gebe ich gerne zu. Wie schon geschrieben, Messer und Lampe habe ich immer in Reichweite, das ist ebenfalls ein mir wichtiger Punkt. Auch habe ich die Ausrüstung immer soweit zusammen geräumt, dass ich innerhalb kürzester Zeit in meinen Schuhen bin und den Rucksack umgeschnallt habe. Ich mag es einfach, schnell reagieren zu können. Sollte etwas sein, gleich was, kann ich sofort reagieren und muss nicht erst den Boden ableuchten und meinen Kram zusammen suchen, alles ist gepackt was gerade nicht in Verwendung ist. Das hat aber auch was mit Ordnung zu tun und dient der Verlust Prävention.

Ich mag die Dunkelheit sehr gerne, ich liebe es, in ihr Unsichtbar zu werden und die Stille zu genießen, alles wahrzunehmen und die Sinne wirklich zu nutzen. Was ich jedoch nicht mag, ist quasi das Gegenteil davon. Ich mag es nicht, wenn ich zu sehr auf dem Präsentierteller stehe. Daher verhalte ich mich sehr leise, das Licht wird nur eingeschaltet, wenn es notwendig ist und auch dann nur auf der schwächsten Stufe. Ich verschmelze lieber mit der Dunkelheit, als in ihr aufzufallen. Das war eher mein Problem und wenn ich Nachts mal mit jemanden unterwegs war, der laut ist, dann fühle ich mich wirklich sehr unwohl. Glücklicherweise kommt das eigentlich so gut wie nie vor.

Ich hoffe, ich konnte ein wenig helfen.

In diesem Sinne

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