Was ist Bushcraft? Trekking?? Survival???

Bushcraft ist wieder so ein Wort, bei dem es sehr viele Ausprägungen gibt, sehr viele Meinungen und sehr viele Definitionen. Viele sagen, nur wenn man mit Feuerstein unterwegs ist und sich sein Lager komplett aus Naturmaterialien zusammenbaut und möglichst auch sein Essen dort findet, darf sich Bushcrafter nennen….

Ich finde es unnötig zu sagen, man ist nur dann oder dann Bushcrafter, denn meiner Meinung nach ist es auch (und primär) eine Einstellung, deswegen die leicht überspitzte Darstellung zuvor. Direkt übersetzt heißt es ja in etwa Waldhandwerk oder Buschhandwerk. In manchen Definitionen liest man auch „längerfristige Anwendung von Überlebenstechniken“. Gerade letzteres geht stark in die Survival Richtung finde ich zumindest. Gerade Bushcraft und Survival werden oft verwechselt, weil sie in vielen Bereichen ähnliches Wissen und Können benötigen. Die Grenzen verschwimmen also an mehreren Stellen Gleichzeitig.

Für viele ist Bushcraft = Wissen. Das Wissen über die Natur, das Wissen über verschiedene Techniken zur Herstellung von diversen Dingen unter anderem Feuer, ein Lagerplatz, Besteck und dergleichen. Wissen über Pflanzen und Tiere, was ist essbar, was sollte man meiden. Wissen, das unter Echtbedingungen immer wieder angewendet wird und nicht nur in der Theorie Ecke bleibt.

Für mich ist Bushcraft eine Einstellung! Eine Einstellung, die dieses Wissen im Laufe der Zeit mit sich bringt, weil einen die Neugier treibt. Für mich bedeutet bspw. eine Bushcraft Tour, wirklich intensiven Kontakt mit der Natur, ihr so nah sein wie nur möglich, selber so natürlich unterwegs sein, wie man es kann und möchte. Es ist ein ganz anderes Erleben der Natur, ein sehr intensives. Ich verzichte bei solchen Touren bewusst auf einen großen Teil Luxus und Komfort zugunsten des intensiven Erlebens, des einfachen unterwegs seins. Wenn Bushcraft Wissen wäre, dann würde man ja erst zum Bushcrafter werden können, wenn man all dieses Wissen verinnerlicht hat. Vieles davon lässt sich aber nicht erlesen, man muss es erleben! Wenn ich an meine ersten Versuche denke ein Feuer zu machen und das mit meinen heutigen Fähigkeiten vergleiche, muss ich zwangsläufig schmunzeln. In ein paar Jahren wird das sicherlich so sein, wenn ich auf meine heutigen Fähigkeiten zurückblicke. Es ist ein ständiger Prozess und Bushcrafter zu sein bedeutet für mich, den Willen zu haben, sich mit der Natur auseinander zu setzen, quasi wieder ein Teil von ihr zu werden und sich verhältnismäßig ursprünglich in ihr zu bewegen.

Wenn ich einen vermeintlich echten Bushcrafter treffer, der sich darüber auslässt, dass jemand, der bspw. statt Feuerstein einen Streichholz nutzt oder statt Zweigen ein Tarp und deswegen kein echter Bushcrafter sei, dann frage ich denjenigen gerne nach seinen Schuhen. Das sind nämlich meistens Schuhe Namenhafter Hersteller mit allerlei High Tech darin, Wasserdicht natürlich durch eine ganz „natürliche“ (…) Membran etc. Damit ist er dann erstmal Mundtot!

Aber da kommen wir wieder zu der Einstellung, wenn man sich dafür interessiert, wenn man eben diese Bushcraft Einstellung besitzt, dann kommt man ganz automatisch in die Richtung, dass man mit einfachen und/oder natürlichen Materialien arbeiten möchte, es fühlt sich einfach richtig an. Aber das ist ein Prozess. Mir fehlen beispielsweise die Kenntnisse über die Flora und es ist ein sehr mühsamer und zeitintensiver Prozess sich dieses Wissen anzueignen, aber irgendwann möchte ich beim Durchstreifen der Natur die Pflanzen und Bäume (fast alle) benennen können, wissen ob sie genießbar sind oder nicht, ob sie vielleicht einen Nutzen bringen können, sich für xyz gut eignen oder dergleichen. Ich habe das Wissen nicht, mich also auf einer Tour auf natürliche Nahrung zu verlassen, wäre schlicht töricht (und gefährlich)! So haben andere vielleicht keine Erfahrung darin ein Feuer zu machen und ich bin verdammt froh, wenn sie es lassen und lieber einen Gas/Spiritus Kocher nutzen, statt einfach wild herum zu probieren. Irgendwann haben sie sich vielleicht informiert, wissen worauf sie achten müssen, es wird ihnen gezeigt oder man hat in kleinem, sicheren Rahmen gebübt. So wächst dieses Wissen in alle Richtungen und genau das ist Bushcraft für mich.

Was ist dann also Trekking? Trekking heißt nicht, dass man der Natur fremd wäre oder nicht ebenfalls ein Teil von ihr wird, nur meiner Meinung nach nicht ganz so intensiv oder halt einfach auf eine andere Art, das trifft es vielleicht eher! Trekking bedeutet für mich größere Distanzen zurückzulegen und sich, durch die größeren Distanzen und teilweise längere Zeit insgesamt, mit mehr Komfort zu umgeben. Wenn ich eine Trekking Tour mache, dann möchte ich möglichst viel sehen, Strecke machen. Bei einer Bushcraft Tour geht es eher darum, überhaupt draußen, mitten in der Natur, zu sein. Man meidet beim Bushcraft nach aller Möglichkeit die Zivilisation, beim Trekking kommt man durchaus auch mal durch einen Ort, läuft über Asphalt, quert eine Straße, wenngleich das wahrscheinlich auch jeder Trekker zu vermeiden versucht ^^“.

So nehme ich auf einer Trekking Tour meine Neo Air Luftmatratze mit, damit ich gemütlich liegen kann, vielleicht auch ein Zelt bzw. Tarp, einen warmen Schlafsack  und Wanderstöcke, High Tech Nahrung (wenig Gewicht, wenig Aufwand, viel Kalorien) und einen Gaskocher. Ich achte zudem auch auf möglichst wenig Gewicht was die Ausrüstung angeht, ich bin ja schließlich sehr lange unterwegs, daher sollte dem Rücken nicht zu viel zugemutet werden. Meistens bewege ich mich dann auf Wanderwegen/-pfaden und folge einer gewissen Route, habe ein gewisses Ziel oder eine zurückzulegende Strecke x, die sich in KM misst. Das Lager ist schnell aufgebaut, und dient eigentlich nur dem schlafen und Essen. Der Weg ist hier das Ziel!

Beim Bushcraft hat das Lager eine viel größere Bedeutung, weil man hier viel mehr selber macht (und Zeit verbringt), und sei es das Feuer, das einen die Nacht über wärmt, weil man nur eine Decke und keinen Schlafsack dabei hat. Selten bewegt man sich auf Wanderwegen, es sei denn, man würde der Natur Schaden, die Zivilisation meidet man wie der Teufel das Weihwasser. Es geht nicht um viele Kilometer und Strecke, sondern darum, sich mitten in der Natur einen schönen Platz zu suchen, wo man verweilt, sein Lager aufbaut und die Natur genießt und sein gelerntes Wissen anwendet sowie neues anstrebt.

Und Survival? Survial ist dem Bushcraft relativ ähnlich. Auch hier spielt das Wissen eine Rolle und um die Anwendung dessen. Wie beim Bushcraft ist die Ausrüstung sehr begrenzt, bzw. auf einfachem Level (kein High Tech). Man muss also mit wenig klar kommen (siehe mein Survival Gürtel oder mein Survival Kit). Beim Survival geht der Fokus jedoch von der Natur weg, hin zu den Fähigkeiten mit eben begrenzter Ausrüstung, in manchen Fällen sogar ohne, draußen zurecht zu kommen. Das Überleben ist hier der Fokus. Survival ist ein noch stärkeres Wort als Bushcraft und ich denke die wenigsten befinden sich jemals in wirklichen Survival Situationen und ich hoffe für jeden, dass das auch so bleibt, dennoch geht es eben um das Üben solcher Situationen unter möglichst realistischen Bedingungen. Je nach Vorliebe, gibt es hier verschiedene Szenarien die man dann bei einer Tour durch spielen kann. Entweder man ist bspw. nur mit einem Messer ausgerüstet unterwegs, oder man setzt den Fokus darauf, dass man möglichst ungesehen unterwegs ist. Die Fähigkeiten stehen hier ganz klar im Fokus, die Natur ist dabei (beim reinen Ausüben von Survival Touren) Nebensache, da es auch in leer stehenden Gebäuden oder dergleichen stattfinden kann. Was die Fähigkeiten angeht liegt es eben dicht am Bushcraft, es kommen jedoch Vorbereitungen gegen potentielle Gefahren hinzu. Dabei ist es z.B. noch wichtiger, ungesehen zu bleiben, sich ggf. eine natürliche Alarmanlage um das Camp herum zu bauen, oder auch das Aufstellen von Fallen. Gerade letzteres ist eine sehr heikle Sache, daher hoffe ich, dass der Fallenbau und ähnliches nur in der Theorie ausgeübt wird! Alles andere ist verboten und das ist in dem Fall auch gut so. Mal abgesehen davon, dass man sich der Wilderei strafbar macht, kommt Tierquälerei ggf. noch hinzu oder man landet direkt bei Körperverletzung. Bauen ist das Eine, anwenden das Andere!

Ich selber betreibe, primär Bushcraft und Trekking. Auch wenn ich manchmal den Survival Gedanken verfolge und bspw. an der Unsichtbarkeit im Wald arbeite, oder aber die Alarmanlage um das Camp herum mag, bleibt die Natur und das verweilen in der Natur immer im Vordergrund. Ich kombiniere das also ein wenig und denke, dass das die meisten so tun.

Wie seht ihr das? Habt ihr andere Erfahrungen oder Ansichten zu dem Thema?

In diesem Sinne

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