Outdoor Gefahren: Unterkühlung (Hyphothermie) – der leise Killer

Hallo allerseits,

ich will hier vielleicht, bei Interesse, eine kleine Reihe starten, in der es primär um ein paar Outdoor Gefahren geht, mit denen man es draußen zu tun haben kann. Damit will ich keine Ängste schüren (trotz des dramatischen Titels ^^“), ganz im Gegenteil, eher vorbereiten und vielleicht auch ins Gedächtnis rufen. Man kann sich auf diese Gefahren in der Regel vorbereiten und/oder sich vor ihnen schützen, wenn man denn darum weiß. Auch wenn das meiste ziemlich offensichtlich scheint, hat man es dennoch nicht immer im Kopf, genau deshalb möchte ich mit der Unterkühlung starten – eine der größten Gefahren wage ich zu behaupten.

Es gibt viele die sich denken, ein wenig frieren wird schon nicht schlimm sein, aber da gibt es eben eine Grenze, ab der es gefährlich wird und ein bisschen frieren ist ein erstes Anzeichen auf das man achten sollte.

Zunächst aber der Unterschied zwischen Unterkühlung und Erfrierung. Auch hier herrscht Unklarheit und oftmals wird die Erfrierung als das Schlimmere von beiden gesehen. Das stimmt so aber nicht ganz. Während eine Erfrierung meistens lokal auftritt und in Folge von eben lokaler Kälteeinwirkung Gewebe schädigt (meistens die am weitesten vom Körperkern entfernten Bereiche: Finger, Zehen, Nase, Ohren….) betrifft die Unterkühlung den gesamten Körper, denn von Unterkühlung spricht man, wenn die Körperkerntemperatur unter 37 Grad Celsius sinkt. Beides ist also sehr ernst zu nehmen.

Das kann wirklich gefährlich werden und sogar zum Ableben führen. Im Allgemeinen gibt es zwei Arten der Hypothermie, zum einen die akzidentelle, zum anderen die subakute. Ersteres ist ein sehr schnelles Absinken der Körpertemperatur (wenn man bspw. in eiskaltes Wasser fällt) letzteres meint die stetige Reduktion der Körpertemperatur. Ich werde mich hier auf die subakute Hypothermie beschränken.

Man spricht von drei Phasen oder Stadien der Unterkühlung, zumindest kenne ich es so, ich bin natürlich kein Arzt, das sei hier nochmal erwähnt.

Die Abwehrphase oder milde Hypothermie tritt bei einer Körperkerntemperatur von 34-37  Grad Celsius auf. Die Symptome kennen die meisten: Frösteln und Zittern, blassere Haut aber auch beschleunigter Herzschlag.

Von der Erschöpfungsphase oder einer mittleren Hypothermie spricht man bei einer Körpertemperatur von 30-34 Grad Celsius. Symptome: Das Zittern hört auf! Hier fängt es an, dass der Puls langsamer wird, man wird ziemlich müde, der Blutdruck sinkt und man wirkt Abewesend/Teilnahmslos. Einem wird schwindelig, was sogar bis zur Bewusstlosigkeit führne kann, was widerrum meist fließend zur letzten Phase führt, wenn nicht gehandelt/geholfen wird. Es wird allerhöchste Zeit!!!

Zuletzt spricht man von der Lähmungsphase oder einer schweren Hypothermie, die Körperkerntemperatur liegt mittlerweile unter 30 Grad Celsius. Symptome: Bewusstlosigkeit, flache Atmung bis Atemstillstand, unrhytmischer Herzschlag bis zum vollständigen Herz-Kreislaufstillstand. Kurzum, man erfriert!

Ganz wichtig! Hypothermie ist nicht nur eine Gefahr des Winters!!!

Auch wenn das viele glauben,  auch im Sommer und jeder anderen Jahreszeit kann es zu einer Unterkühlung kommen. Beispielsweise durch Einwirkung kalten Wassers, oder starken Windes, Regen oder eben der Kombination dieser Faktoren. Ebenso kann es erhebliche Temperaturunterschiede zwischen dem Tag und der Nacht geben und wenn man sich mit der Kleidung nur auf den Tag vorbereitet hat, wird es eine sehr kalte und ggf. gefährliche Nacht!

Tipps:

Spätestens jetzt sollte klar sein, mit einer Unterkühlung ist nicht zu spaßen und ich denke, viele unterschätzen diese Gefahr. Ich bin ein großer Freund von Wintertouren, aber eine gewisse Ausrüstung sollte schon vorhanden sein. Wenn man gerne mal eine Grenzerfahrung sucht, dann sollte man zwingend (!) sein Ego unter Kontrolle haben und wissen, wann man abbricht!

Eine Unterkühlung kann sehr schnell von der einen in die andere Phase wechseln, wenn man nicht entsprechend reagiert. Daher sollte man zunächst so planen, dass man genügend Kälteschutz mit sich trägt. Ich bin gerne leicht unterwegs, aber ich habe mittlerweile lieber eine Fleece Jacke zu viel, als eine zu wenig dabei, das gleiche gilt natürlich für Handschuhe und einer guten Mütze und/oder einem Buff. Hier ist das modulare System auch wieder das Beste. Nur eine extrem dicke Mütze dabei zu haben, in der man eigentlich immer sehr schwitzt ist beispielsweise eine genauso schlechte Idee wie einzig eine ganz dünne dabei zu haben. Im einen Fall kann man die Mütze nicht tragen und im anderen Fall bringt es nichts sie zu tragen wenn es wirklich richtig kalt wird. Also lieber etwas, das man aufeinander aufbauen kann, so dass es gemeinsam, oder jeweils einzeln tragbar ist. Das gilt eigentlich für alle Schichten und Bereiche der Kleidung.

Auch der Schlafsack sollte für die jeweilige Temperatur geeignet sein, oder man sollte dafür sorgen, dass man durch andere Maßnahmen genügend Schutz in ihm bekommt. Sei es dadurch, dass man seine Kleidung anbehält, sich ein windgeschützten Platz sucht (was man eigentlich eh immer tut), einen Biwaksack dabei hat um die Wärme noch mehr im Innere zu halten oder dergleichen. Wenn man zitternd aufwacht und nichts mehr machen kann um die Wärmeleistung des Schlafsacks zu erhöhen, also keine weitere Isolation hat, dann sollte man auf keinen Fall noch länger liegen bleiben, sondern aktiv werden um seinen Kreislauf wieder in Schwung zu bekommen. Hat man die Option dazu, sollte man Feuerholz sammeln und ein Feuer entfachen, um etwas Wärme zu gewinnen. Der Körper warnt einen wenn es gefährlich wird, also sollte man auf ihn hören!

Ganz wichtig beim Übernachten ist auch die Isolation nach unten! Die meiste Wärme geht in den Boden verloren, hier muss die Isolation also stimmen und die Isomatte ggf. noch durch Laub, Äste, Tannennadeln und dergleichen ergänzt werden.

Jeder der schonmal richtig (!) gefroren und gezittert hat, der kennt den Unterschied zwischen einem kurzem Frösteln daheim, wo es reicht sich ein paar mal die Hände zu reiben, und dem ersten Anzeichen der Unterkühlung. Auch sollte man im Kopf behalten, wenn das Zittern aufhört, ohne das man wirkliche Gegenmaßnahmen gegen die Kälte getroffen hat, ist das nicht unbedingt ein gutes Zeichen!

Feuchtigkeit und Wind sind zudem große Verbündete der Kälte. Schützt euch vor Wind, schützte euch noch mehr vor Nässe und schützt euch extrem gut vor einer Kombination von beidem!

Der Wind entfernt die schützende warme Luft, die sich um den Körper herum befindet, das ist der sogenannte Wind Chill factor, daher ja auch die tatsächlichen Temperaturen und die gefühlten Temperaturen. Ohne diese warme Luft die uns umgibt, nimmt man die Kälte schonmal um einiges intensiver wahr und sie wirkt auch intensiver auf den Körper. Nässe sorgt dafür, dass man um ein zigfaches schneller auskühlt. Das Wasser entzieht dem Körper quasi Energie/Wärme, während es durch die Körperwärme verdunstet (schweiß Prinzip) wenn dann der Wind dazu kommt, erhöht sich dieser Faktor nochmal. Nach Möglichkeit die Kleidung wechseln! Ausziehen und den Schlafsack als Schutz nutzen. Nach Möglichkeit die nasse Kleidung trocknen. Hat man weder zu dem einen, noch zu dem anderen keine Möglichkeit, wird es wirklich gefährlich. Kann man in der Sonne trocknen, sollte man es tun, alternativ wieder das Feuer. Je nachdem wie lange man unterwegs ist, kann man die nach Möglichkeit ausgewrungene Kleidung in das Fußteil des Schlafsacks tun. Das bietet sich bei längeren Touren nicht so an (weil der Schlafsack nass wird) aber so kann man mit der Körperwärme die Kleidung trocknen. Auch bei längeren Touren würde ich es jedoch machen und den Schlafsack dann am Tag versuchen zu trocknen (Vorsicht bei Daune).

Wenn man eine Notfalldecke aus dem Verbandskasten dabei hat, dann kann man sich (oder die Kleidung) auch darin einwickeln und dann in den Schlafsack gehen um so viel Isolation wie möglich zu bekommen, wenn die Kleidung nass ist, wickelt man die Kleidung ein, schützt man gleichzeitig den Schlafsack vor Nässe. Ggf. hat man noch ein Tarp, dann kann man sich, wenn es trocken ist, auch darin einwickeln, sofern man es nicht als Windschutz braucht. So eingewickelt kann die Kleidung ggf. sogar am Körper trocknen, sofern man sich genug Schutz bauen konnte, ausziehen würde ich vorziehen, aber manchmal ist das eben nicht möglich oder sogar kontraproduktiv. Natürlich sollte man die Kleidung auch dabei zunächst auswringen um so schonmal so viel Wasser wie möglich zu entfernen.

In erster Linie sollte man dafür Sorge tragen, sich und seine Ausrüstung trocken zu halten. Damit hat man schon viel für sich und gegen die Unterkühlung getan.

Eine weitere Möglichkeit sich gegen die Kälte zu schützen ist, Wasser zu erwärmen und zu trinken. So kann man sich etwas von Innen heraus wärmen, bzw. der Kälte entgegen wirken, das ist aber nur als Unterstützung zu sehen und nicht als einzige Lösung.

Die Ausrüstung bestimmt natürlich die Optionen, aber auch mit wenig, oder keiner Ausrüstung kann man eine Menge bewerkstelligen, es würde jedoch ausufern, jetzt alle Optionen eines Notbiwaks zu erklären. Bei Interesse, einfach nachfragen 🙂

In diesem Sinne, passt auf euch auf.

WICHTIG – NACHTRAG!!!!

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