Reiseplanung Teil 3b : Abteilung Lager

Teil 1 Allgemeines – Was will ich eigentlich? Teil 2 Abteilung Küche Teil 3a Abteilung Lager

Das Geodät ist eine besondere Art von Kuppelzelt. Es hat sich kreuzende Gestängebögen wodurch es selbststehend ist und keiner Abspannung bedarf. Das ist vor allem dann von Vorteil, wenn man beispielsweise auf Steinboden nächtigen möchte und keine Möglichkeit hat Heringe in den Boden zu rammen. Das Geodät ist von allen Arten das mit Abstand stabilste, was auch den Vorteil hat, das es eine Hohe Schneelast ertragen kann. Gerade bei Wintertouren muss man das unbedingt beachten. Erwartet man reichlich Neuschnee (oder ist man oft bei viel Schnee unterwegs), wäre ein Geodät erste Wahl, ebenso wenn der Untergrund ungewiss ist auf einer Reise. Überhaupt ist für alle extremeren Touren ein Geodät von Vorteil. Sie sind aber, natürlich, etwas teurer.  Beim Geödät hat man meistens auch die Möglichkeit das Außenzelt zuerst aufzubauen. Wenn ein Sturm droht, sollte man es natürlich zur Sicherheit dennoch abspannen. Hat man die Möglichkeit dazu nicht, bietet es dennoch genug Stabilität für die Nacht.

Eine Kleinigkeit sei noch zu den 1-Mann Zelten gesagt. Sie gibt es in eigentlich allen der drei genannten Formen und auch dabei würde ich klar zum Geodät raten. Dadurch kann man unabhängig von der Härte des Untergrundes jederzeit sein Lager aufschlagen und gerade bei einem 1-Mann Zelt braucht man ja nur wenig Platz und den wird man meistens irgendwo finden können. So manches versteckte kleine Plätzchen mit schöner Aussicht kann so zu einem Schlafplatz werden.

Worauf ist bei Zelten also noch zu achten? Wie zuvor schon erwähnt heiligt der Zweck die Mittel und das meint die finanziellen Mittel. ;-D Wenn man viel und intensiv unterwegs ist, sollte man sich ein Zelt holen, auf das man sich zu 100% verlassen kann. Ist man nur hin und wieder und eher bei gemäßigtem Wetter unterwegs, dann wäre es unsinnig viel Geld auszugeben! Die Belüftung würde ich, wie gesagt, beachten. Ich habe einmal in so einem 15€ Flecktarn 2-Mann Zelt übernachtet, die etwas bessere(…) Hundehütte. Das Kondenswasser war so schwer, dass die Zeltwände nach Innen durchhingen und sich eine Wand auf mein Gesicht legte. Das war keine angenehme Art aufzuwachen. Mal abgesehen davon dass mir die Luft genommen wurde, war es kalt und nass. Die Abspannmöglichkeiten waren zudem eher dürftig, also wanderte das Zelt in den nächsten Mülleimer. Wieder nach Hause wollte ich es nicht schleppen.

Man sollte zudem auf die Wassersäule achten. Sowohl vom Zeltboden als auch von den Zeltwänden. Gerade der Boden sollte einen hohen Wert haben. Da man im Zelt kniet und den Boden dadurch sehr auf Punkt belastet, kommt hierbei am ehesten Wasser durch. Es gibt verschiedene Din Normen, doch für Zelte gilt grundsätzlich der Boden ab 2000mm und die Wand ab 1500mm als Wasserdicht. ABER das sind Augenwischerwerte, vor allem beim Boden. Wenn man sich hinkniet entsteht ein weit größerer Druck und man kommt da mit 2000mm nicht mehr aus, das Knie wird nass werden, dann hat man nämlich in etwa einen Druck von 5000mm auf den Boden gebracht. Da wird der Fehler im Bild ziemlich schnell deutlich. Ich würde beim Zeltboden auf jeden Fall auf einen Wert von mindestens 5000mm achten, vielleicht geht auch schon 4000mm oder 3000mm was auch häufiger angeboten wird, aber da würde ich persönlich auf Nummer sicher gehen. Das Wasser läuft bei einem geringeren Wert natürlich nicht sofort durch, aber man sollte diesen Punkt nicht vergessen. Beim Obermaterial würde ich auch nicht unbedingt am untersten Limit sein wollen, da sind 3000mm schon ein guter Wert.

Dann sollte man sich die Abspannmöglichkeiten anschauen. Wie stabil sind die Abspannpunkte? Halten sie wirklich Zug aus oder machen sie einen eher schwachen Eindruck? Auch das Gestänge sollte man nicht vernachlässigen. Lassen sich die Stangen gut durch die Führung bringen oder ist es jedes mal ein Kampf? Wenn es jedes Mal ein Biegen und Brechen ist, dann wird letzteres auf kurz oder lang eintreten. Das es immer mal ein bisschen Fingerspitzengefühl verlangt ist normal, aber es sollte in einem komfortablen Rahmen bleiben, sowohl für die Finger, als auch für das Material an sich. Einfach mal alles genauer unter die Lupe nehmen, an den Ecken und Kanten ein wenig ziehen und schauen was das Material macht. Natürlich nicht mit aller Gewalt, aber gerade die Abspannpunkte müssen robust sein. Außerdem sollte man schauen, dass man genug Abspannpunkte hat.

Eine Sache des Komforts ist es zudem, wenn man das Außenzelt unabhängig vom Innenzelt zuerst aufspannen kann. So ist das Innere vom Zelt sofort geschützt. Muss man zuerst das Innenzelt, welches meistens aus Mückennetz besteht, aufbauen und es regnet stark, dann ist das Innere vom Zelt bereits unter Wasser noch ehe man den Regenschutz des Zeltes aufbauen konnte.

Damit ist das Thema Zelt erstmal abgeschlossen. Wer mehr zum Thema Wassersäule oder die Vor- und Nachteile einzelner Beschichtungen erklärt bekommen möchte, kann gerne jederzeit nachfragen oder Google nutzen. Der Artikel würde den Rahmen sprengen, wenn ich auf die einzelnen Materialien eingehen würde. Allein beim Gestänge gibt es einige verschiedene, vom Stahl über Alu bis hin zu dem Featherlight Material. Gerade beim Material und beim Gewicht ist es leider oft eine Frage des Geldes was man wählt. Das Gewicht ist immer so ein Thema und hängt eben mit den eigenen Vorlieben zusammen. Es ist wohl keiner gerne schwer unterwegs. Ich würde mir, wenn ich ein Zelt mitnehme, 1,5-1,7KG als absolutes Maximum festlegen.

Kommen wir nun also zum Tarp. Mein “heimlicher” Favorit. Was wurden wir in Island nicht merkwürdig angeschaut als wir mit dem Tarp unser Lager errichteten (wobei es zugegeben irgendwie fehl am Platz aussah zwischen all den Zelten). In Reykjavik selber wusste kaum einer was mit dem Wort Tarp anzufangen. Das hatte mich ein wenig gewundert, ist doch gerade Youtube voll mit allen möglichen und unmöglichen Settings für das Aufstellen eines Tarps. Ich bin ein großer Freund von einem Tarp, da es einem nahezu unendliche Flexibilität gibt. Man kann es sich genau so bauen, wie man es braucht und wie es die Gegebenheiten zulassen.

Auch beim Tarp gibt es verschiedene Materialien. Vom High Tech Tarp aus sehr leichten Material bis zur einfachen Baumarktplane. Bei dem Vergleich muss ich sagen, dass ich die Baumarktplane bevorzuge. Sie hat in der Regel eine Wassersäule von 10 000mm es kommt also definitiv nichts durch und der Preis ist extrem gering, sie ist sehr robust und wenn dann doch mal was kaputt geht, reißt sie nicht weiter ein (ripstopp), sondern kann mit etwas Panzertape direkt wieder repariert werden. Aber jede Münze hat zwei Seiten. Die Sturmstabilität ist nur bedingt gegeben und ist eng damit verknüpft wie gut man das Tarp abspannen kann. Das meint zum einen die eigenen Fähigkeiten im Lagerbau und das Verständnis davon, aber auch die Gegebenheiten vor Ort! Im Wald ist es in der Regel recht einfach es zu spannen (gut spannen ist nochmal ein eigenes Thema, das durch Erfahrung kommt) aber wenn man auf einer leeren Fläche ist, bleiben einem nur Wanderstöcke (in einem Setting mit Tarp, in dem man nicht ausschließlich in bewaldetem Gebiet unterwegs ist, sollten zwei Wanderstöcke immer dabei sein!) und die Heringe. Schnur zum Abspannen und für die “First” sollte man natürlich auch in ausreichender Länge dabei haben.

Gut bewährt hat es sich, die Abspannschnur an den Ecken vom Tarp befestigt zu lassen. Beim Abbau werden sie eben zusammengelegt und so kann man, wenn man das nächste Mal das Tarp aufbaut, sofort loslegen und muss nicht erst die Schnüre an dem Tarp befestigen.

Das Gewicht der Plane ist etwas höher als von einem Tarp gleicher Größe und gegen ein Ultraleicht Tarp kann sich sich eine Plane natürlich vom Gewicht her nicht messen. Die Vorteile einer Plane sprechen aber, meiner Meinung nach, klar für sich. Eine gute Kombination ist auch das Tarp mit einer Hängematte. Sehr angenehm ist auch das Gewicht, denn es ist deutlich leichter als ein Zelt von gleicher Größe. Ich nutze selber eine 2x3m Plane, das hat sich als gute Größe Herausgestellt um sich, auch zu zweit, einen Unterschlupf bauen zu können.

Das Tarp (meint auch immer die Plane, ich nenne ab jetzt beides nur noch Tarp)  hat aber natürlich auch seine Nachteile. Da wäre natürlich ganz vorne die Tatsache, dass es nicht ganz geschlossen ist. Man kann es so spannen, dass nur der Eingang geöffnet ist und wenn man es richtig in den Wind stellt, ist es sehr flach und schützt gut (sofern man ein paar Steine hat um das Tarp am Boden abzudichten) vor dem Wind. Dreht der Wind und bläst in die Öffnung, kann es aber zum Problem werden. Der Aufwand ein Tarp aufzubauen ist unterschiedlich zu bemessen. Sind die Gegebenheiten gut, dann ist das Tarp mit bspw. einem “A-Frame” super schnell aufgebaut. Sind die Gegebenheiten schlecht, dann muss man schon mehr Mühe investieren, um einen guten Schlafplatz zu bauen. Wenn man genug Bäume hat, dann hat man in der Regel aber gar kein Problem. Auch da kann man hervorragend einen niedrig gespannten “A-Frame” aufbauen, dazu braucht man nur ein Stück Schnur über die das Tarp gelegt wird und ein paar Heringe oder angespitzte Hölzer. Hier sind natürlich beide Seiten offen, aber auf der einen Seite kann man den Rucksack hinstellen um sich noch ein wenig Windschutz zu bieten. Die Seiten die zu Boden reichen kann man mit Steinen oder Laub beschweren damit unter ihnen der Wind nicht durch kann und schon hat man ein gemütliches Lager. Ein Biwaksack zum Schutz vor Nässe bietet sich beim Tarp aber an. Bedeutend schwieriger wird es eben bei Flächen und hartem Boden, denn das Tarp abzuspannen ist essentiell!!! Sind große Steine in der Umgebung, kann man diese als eine Art Anker nutzen, also genug Schnur mitnehmen.

Die letzte Möglichkeit wäre natürlich, sich eine natürliche Behausung zu bauen. Wenn das Tarp für die Fortgeschrittenen ist (was nur bedingt stimmt, da es sich meist leicht aufstellen lässt), wäre diese Möglichkeit ganz klar für die Profis. Ich selber würde diese Variante wahrscheinlich nur für den Notfall benutzen, da sie mit recht hohem Aufwand verbunden ist. Auch hier kann man mit Hölzern, Reisig und Laub einen “A-Frame” oder ähnliches bauen und sich eine Wetterfeste Behausung schaffen. Hierbei ist man natürlich arg auf die Umgebung und die dortigen Rohstoffe (totes Holz) angewiesen und man muss viel Zeit investieren sich eine Windfeste, Wasserfeste Behausung zu bauen. Es ist gut und meiner Meinung nach auch wichtig, das zu können, aber für längere Touren nur bedingt praktisch. Ich würde mich nicht darauf verlassen wollen, es sei denn ich mache eine Tour mit genau diesem Fokus, also eher eine Bushcraft Tour.

Im Sommer und generell bei mildem Wetter kann man auch eine einfache Strandmuschel nutzen um zu übernachten. Sie bietet etwas Schutz, leicht aufzubauen und billig. Ein Zwitter ist der Biwaksack aber er wird in Teil 4 – Abteilung Bett näher beleuchtet.

Wie in jedem Bereich kommt es eben darauf an, was man möchte. Das Tarp gibt einem die größte Flexibilität, wenn man damit leben kann in keinem geschlossenem Raum zu sein wie es beim Zelt der Fall ist und dass der Aufbau je nach Umgebung etwas mehr Kreativität erfordert. Das Zelt bietet natürlich den besten Rundumschutz aber bei höherem Gewicht und weniger Flexibilität was den Aufbau angeht. Island mit dem Tarp war, sogar bei stärkerem Wind, gut zu machen. Eine Nacht haben wir jedoch wegen einem ziemlich heftigen Orkan in einer Hütte verbracht. Im Nachhinein hätte man das Tarp doch nutzen können (es hat sich bei einer weiteren stürmischen Nacht gu bewährt), aber der Kopf wollte den Schutz eines geschlossenen Raumes und dem wollten wir nachgehen. Für den Sarek im September werden wir wahrscheinlich mit einem 1-Mann Zelt unterwegs sein, aber das ist noch nicht sicher, denn das Tarp hat sich bisher wieder und wieder bewährt. Da wir aber gut 2 Wochen unterwegs sind, ist ein bisschen Privatssphäre und vor allem ein geschlossener Raum der Schutz bietet alleine für den Kopf keine schlechte Idee, ich überlege also noch. Ich werde auf jeden Fall berichten.

Kuppelzelt und Tunnelzelt würde ich als grundsätzliche Allrounder bezeichnen. Für den Anfänger- bis zum Profibedarf gibt es Modelle und wenn man auf besagte Dinge achtet, kann man nichts falsch machen.

Das Geodät ist absoluter Favorit bei sehr ausgedehnten Touren und Expeditionen. Allgemein für Touren mit harten Bedingungen was das Wetter (Wind, Schneelast, Starkregen) angeht vor allem wenn man ggf. keine Möglichkeit hat Heringe in den Boden zu treiben!

Das Tarp ist der absolute Allrounder! Erfordert aber ein wenig Übung, ist dafür preiswert, extrem robust und nahezu an jede Umgebung anpassbar.

Das 1-Mann Zelt eignet sich gut für solo Touren und wenn man auf das Gewicht achten will. Da es sie in jeder Bauweise gibt, kann man ja schauen, was am besten passt. Wenn ich mich für ein 1-Mann Zelt entscheiden müsste, dann auf jeden ein Geodät!

Weiter geht es dann in Teil 4 – Abteilung Bett

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