Winter Schlafsack: Mammut Tyin EXP 5-Season – EXP für Expedition :)

Ich möchte hier mal wieder ein bisschen Ausrüstung vorstellen, denn da habe ich mal wieder etwas richtig feines gefunden und da ich mir sehr viel angeschaut habe und auch der erste Test absolviert wurde, kann ich guten Gewissens diesen Schlafsack empfehlen.

Aber erstmal zurück auf Anfang. Seit Jahr und Tag war ich mit meinem North Face Sommerschlafsack unterwegs. Traumhaftes Packmaß und super leicht. Ja, auch Wintertouren habe ich damit bestritten und das war alles andere als angenehm. Es ging zwar, aber das war es eben auch schon.

Eine ganze Weile stand der „so leicht wie möglich Gedanke“ sehr im Vordergrund und daher verweilte der Schlafsack auch im Bestand, egal bei welcher Jahreszeit, denn einen leichteren und besser zu komprimierenden Sack hatte ich bisher nicht finden können. Irgendwann aber wurde der Komfort wichtiger, nicht weil das Alter zunahm, sondern die Erfahrung, zumindest rede ich mir das ein 😉 Der Schlaf ist letztlich die einzige wirkliche Möglichkeit, seine Akkus wieder zu laden. Mit dem Sommerschlafsack hat man zwar die Nacht überstanden, meist mit sämtlicher Kleidung an (zumindest im Winter), aber wirklich erholsam war das nicht. Man brach so früh wie möglich wieder auf, um den Kreislauf in Gang zu bringen und der Schlaf an sich (so man schlief) brachte einfach nicht so viel Erholung, wie er hätte bringen können. Das lag sicherlich auch daran, das der Körper permanent mit der eigenen Heizung beschäftigt war.

Nun, soweit zur Ausgangslage. Nach unserer Island Tour, den Laugavegur von Landmannalaugar aus (ebenfalls mit dem Sommerschlafsack und einem Tarp, weiteres dazu in den Reiseberichten) startend, war uns klar, wir müssten oder viel mehr wollten uns vom Gedanken „so leicht wie Möglich“ entfernen. Island war großartig, aber man hätte die Tour noch entspannter und vor allem erholter gehen können als wir es taten. Damit begann dann eigentlich die Suche nach dem richtigen Schlafsack. Anfangs war noch das Gewicht und auch das Volumen entscheidend, doch dann wandelten sich diese beiden Faktoren in Komfort und Wärme. Ich bin mit meinem Kumpel in der Regel zur kälteren Jahreszeit unterwegs (Ende August – Mai), den Sommer lassen wir zumeist aus. Ein ganz klarer Gedanke etablierte sich bei mir, je mehr ich mich damit auseinandersetzte: nie wieder im Schlafsack frieren!

Wir machen in der Regel ein bis zwei große Touren pro Jahr, die dann auch ins Ausland gehen. Auch hier favorisieren wir die kälteren, nordischen Regionen, zudem verreisen wir mitte September. In Hinblick darauf wurden die Anforderungen für einen Schlafsack also höher.

Ich kaufte zunächst einen Yeti Schlafsack, recht gute Werte, solide verarbeitet und zu dem Zeitpunkt so ein super Deal bei Globetrotter (50% reduziert). Damit dachte ich zunächst, meinen Schlafsack gefunden zu haben, aber schon da liebäugelte ich mit dem, den ich mir nun doch noch gekauft habe. Der Yeti ist bisher ungetestet, daher kann ich da nichts zu sagen. Wir machten eine kleine Tour, beschlossen dann aber, am gleichen Abend noch heim zu fahren und nicht zu übernachten (für mich ging es am nächsten Tag nach Amsterdam, deswegen war ich da ganz froh drum).

Irgendwann war dann der Mammut Tyin Exp 5-Season im Angebot, mein Favorit, aber ich verpasste ihn, C, mein Wanderkumpel, jedoch nicht. Er orderte ihn und noch einen anderen, weil er sich selber einen Schlafsack holen wollte, der für kalte Temperaturen geeignet war. Mich reizte am Mammut der robuste Eindruck, die traumhaften Werte und das Wissen, dass Mammut wirklich Produkte von hoher Qualität herstellt.

Primär wollte ich mir den Schlafsack anschauen und C brachte ihn mit, damit ich mir einen Eindruck davon machen konnte. Der Packsack war gewaltig!! Das Volumen von diesem Sack ist sehr, sehr groß, nichts für einen kleinen Rucksack! Mir war in dem Moment schon klar, EXP, was für Expedition steht, würde auch auf den Rucksack zutreffen und daher die Lastenkraxe werden müssen! In meinem 40 Liter Rucksack diesen Schlafsack zu transportieren, war keine Option und somit wurde die Lastenkraxe zur Einzigen. Der erste Eindruck war also herb, fast ein wenig einschüchternd.

Mammut-AW13-Tyin-EXP-5-Season

Als ich den Sack auspackt und ihn auf den Boden schmiss, hatte ich vom Klang und Gefühl her den Einruck, es läge noch jemand darin!! Dies war aber zum Glück nicht der Fall (obwohl ich es mir bei dem Volumen ein bisschen wünschte…). Das Äußere des Schlafsacks hat bereits mein Herz höher schlagen lassen. Nicht dieses sehr dünne Kunstfasermaterial was man von eigentlich allen anderen Schlafsäcken her kennt, sondern eine wirklich robuste Außenhaut! Und zwar wirklich robust, das muss nochmal wiederholt werden!! Fuß- und Kopfbereich sind vom Material her noch zusätzlich verstärkt und stark Wind- sowie Wasserabweisend. Daran hegte ich keinerlei Zweifel, als ich das Material begutachtete. Ich begann das Gewicht und das Volumen zu vergessen!

Der Reißverschluss ist angenehm kurz, man kann ihn nicht hinunter bis zum Fuß öffnen, sondern etwa bis zur Hüfte. Das mag für den ein oder anderen zu wenig sein, mir gefiel es sehr gut, eine Kältebrücke weniger! Unter dem Reißverschluss eine dicke Wulst, um die Wärme dann auch drinnen zu halten. Nicht wie bei anderen Säcken ein Streifen der den Reißverschluss abdecken soll, hier war es wirklich ein dicker Strang, da ging nichts dran vorbei. Schon von außen war auch der kräftige Kragen zu sehen, der den Hals schützen sollte.

Meine Neugier war mehr als geweckt! Ich zog die Schuhe aus und musste den Sack einfach testen. Bei Raumtemperatur und mit Kleidung dauerte es nur wenige Sekunden, bis ich anfing zu glühen, zumindest gefühlt, also schnell wieder raus! Ich war begeistert! Auf dem Fußboden lag es sich durch die Polsterung von dem Sack allein schon so, als hätte ich eine Iso Matte darunter. Der Sack ist relativ eng anliegend, allerdings in keiner Weise bedrängend, sondern einfach nur gut sitzend. Wie eine Hose die gut sitzt. Es kneift nichts, aber es flattert auch nichts herum. Hier war kein unnötiger Raum durch den Wärme verschwendet wurde, das Material legte sich quasi auf einen, ohne zu drücken. Sehr gut hat mir zudem gefallen, dass der Reißverschluss nicht, wie bei so vielen anderen Schlafsäcken, seitlich verläuft, sondern frontal/oben. Wenn man im Sack auf dem Rücken liegt, etwa auf Höhe der Brust. Dank der Wulst davor, spürt man wirklich nichts von dem Reißverschluss, da kommt kein Lüftchen durch.

Dadurch, dass der Sack wie angegossen sitzt, ist es sehr komfortabel sich darin zu drehen, was gerade für mich als Seitenschläfer wichtig ist! Bei anderen Säcken hatte ich es so, dass ich dann in den Sack schaute, während die Öffnung der Kaputze etwa über dem Ohr war. Beim Mammut dreht man sich problemlos und komfortabel mit dem ganzen Schlafsack, es verrutscht nichts.

Man kann den Reisverschluss schön weit nach oben ziehen, dann hat man eine extra Wulst (wie eine dicke Wurst) mit man mit Hilfe von Knöpfen schließen kann, dann ist dort vor ein weiterer Bereich, der sich schließen lässt, die Kaputze lässt sich natürlich auch noch komprimieren, so dass man sie auf sich anpassen kann. Man kann sich in diesem Sack also wirklich abschotten. Sehr angenehm ist auch, dass der Fußbereich verstärkt ist, was die Isolation angeht, so legt sich auch dieser Bereich angenehm um die Füße, ohne einzuengen. Das hat den großen Vorteil, dass die Füße gar nicht erst kalt werden. So eignet sich der Fußraum auch prima, um ggf. eine Wasserflasche, oder wie ich es gemacht habe, etwas Spiritus, warm zu halten, dafür ist durch die Länge noch genug Platz gewesen (ich habe die 200cm Version und bin selber 190cm)

Ich habe den Schlafsack auf dem Brocken, bei -6 Grad und (Schnee-)Sturm getestet, ohne Zelt, sondern in einer einseitig offenen Hütte auf dem Boden liegend. Es erforderte etwas Überwindung, sich alles bis auf die Unterwäsche auszuziehen, denn sofort begann man brutal zu frieren. Erstmal in den Schlafsack gekrochen, war es eine Frage von Sekunden, bis sich eine wohlige Wärme ausbreitete. Von der Kälte draußen, nichts zu spüren!

Begeistert war ich auch von der Kaputze und deren Sitz. Man hat sie aufgesetzt und sofort befand man sich in einem warmen Kokon. Auch hier wieder das Prinzip des „gut passens“ nicht eng und nicht zu groß. Man setzt sich die Kaputze wie eine Mütze auf und es ist warm! Der hineingewehte Schnee schmolz an der Oberfläche von dem Sack, aber drang nicht durch das Wasserabweisende Gewebe, ebenso hatte der Wind (Sturm auf dem Brocken: wer das kennt, weiß, dass der peitscht!) keine Chance sich einen Weg in den Schlafbereich zu drängen. Wind- und Wasserabweisend kann ich also nur unterstützen!

Es ist ein Expeditionsschlafsack und daher gibt es keine normalen Werte im Sinne von Komfortwert etc. sondern lediglich eine sogenannte „Grenztemperatur“ die mit -25 Grad angegeben wird. Ich habe mal ein wenig im Netz recherchiert und da schwirren Werte die besagen -12 Grad Komfort, -20 Limit und -40 Extrem.

Ich würde diese Werte jedoch etwas nach oben, bzw. nach unten (also weiter in den Minus Bereich) korrigieren, aber das ist natürlich eine individuelle Geschichte. bei -6 Grad, Sturm und ohne den Schutz eines Zeltes, wurde es mir ein bisschen zu warm. Ich habe die Kaputze vom Kopf gezogen und eine Wasser- und Windfeste Mütze aufgezogen um die Ohren zu schützen, auch den Reißverschluss habe ich etwas geöffnet (die Wulst davor hat verhindert, dass direkt die Kälte hinein kam, aber es sorgte für etwas Belüftung. Ungefähr 10-20cm habe ich ihn geöffnet). Ich hatte einzig Unterwäsche an sei dazu erwähnt. Wenn ich mir überlege anliegende Funktionsunterwäsche bspw. eine Thermo Tight wie sie Jogger oft tragen und ein Longsleeve von ähnlichem Material, zu tragen, dann kann man man den Schlafsack für wirklich sehr tiefe Temperaturen verwenden.

Hier mal ein paar Bilder von dem Schlafsack, den ich in einem Ortlieb Beutel transportiert habe, um ihn vor Schäden zu beschützen und auf meiner Lastenkraxe befestigen zu können. Darauf sieht man auch gleich das Transport Setting, für das ich mich entschieden habe, ebenso das nicht zu verachtende Volumen!

DSC_0375 DSC_0380

Wenn es wärmer wird, ist der Sack natürlich zu warm! Ich würde sagen, sein Einsatzbereich geht um 0 Grad los. Ab +5 Grad in der Nacht würde ich ihn wahrscheinlich verwenden, dann aber auch ohne Kapuze und mit etwas weiter geöffnetem Reißverschluss! Richtig wohl fühlt sich der Sack, wenn es unter 0 Grad sind. Für diesen Bereich würde ich ihn auch eher empfehlen (dafür ist er schließlich) aber ab +5 Grad würde ich ihn wohl verwenden, einfach, weil man so gemütlich darin liegt.

Bei den Wintern in unseren Breitengraden werde ich mit diesem Schlafsack sicher nicht an die Grenzen stoßen und auch im Skandinavischen Raum muss man sich mit diesem Schlafsack keine Sorgen um eine kalte Nacht machen.

Ich war bisher noch nie so begeistert von einem Ausrüstungsgegenstand wie ich es von dem Mammut bin. Der Kauf hat sich gelohnt und ich hätte dafür auch den regulären Preis bezahlt ohne einem Euro nachgeweint zu haben.

Wer also ganz auf Nummer sicher gehen will, schaut ob der 5 Season mal wieder ins Angebot wandert oder holt sich den oben verlinkten Nachfolger. Wenn es einem aber primär um die heimischen Winter geht, dann ist „der kleine Bruder“ auch voll ausreichend und ich hätte wahrscheinlich den genommen, wenn da die Reduzierung nicht gewesen wäre. Den 5 Season würde ich ohne zu zögern bis -40 Grad benutzen (dann aber natürlich nicht mehr in Unterhose ^^) den „kleinen Bruder“ bis etwa -30 Grad.

In diesem Sinne

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