20 Tage ohne Auto – Erster Lagebericht

So, ich bin nun seit gut 20 Tagen Fußgänger, oder besser Radfahrer und Bus-Mitfahrer, oder Longboarder, halt ohne Auto. ^^
Ich hatte eigentlich vor nach 14 Tagen den ersten Bericht aus der Praxis zu schreiben, aber nun sind es doch 20 Tage geworden da ich es zeitlich leider nicht so ganz geschafft hatte hier was zu schreiben. Wer meinen Blog verfolgt wird gesehen haben dass ich gerade wieder ein Buch veröffentlicht habe und Veröffentlichung und „Werbung“ haben eine Menge Zeit gekostet. Nun aber zu dem wesentlichen, nämlich meinen Erfahrungen aus 20 Tagen ohne Auto.

Als ich neulich mit meiner Mutter sprach, sagte sie mit einem Lächeln im Gesicht, das macht sie jetzt schon seit 55 Jahren so. Da scheinen meine 20 Tage geradezu lächerlich, ABER, ich war zuvor bereits 11 Jahre Autofahrer und wenn man sich erstmal an etwas gewöhnt hat und ein wenig mehr unterwegs ist, dann sieht das etwas anders aus. Nichts desto trotz war auch das schon ein Beweis für mich das ein Auto nicht so notwendig sein kann, wie ich immer dachte.

Die Scheu vorher war groß, immer wieder überlegte ich, ob ein Auto und die damit einhergehende Flexibilität mir fehlen würden. Das tat ich so lange, bis sich schließlich eine passende Gelegenheit (TÜV, Parkgenehmigung waren abgelaufen und für den TÜV hätten ein paar Sachen gemacht werden müssen) bot und ich es abmeldete. Nun ist die Kernfrage sicherlich, fehlt mir mein Auto bisher? Das kann ich ganz klar verneinen, es fehlt mir bisher kein Stück! Es gab nur einen Moment, nämlich als ich meinen Wagen mal wieder gesehen habe (er steht im Moment auf einem Hof, als Plan B könnte ich ihn wieder anmelden. Entscheidung fällt nach 2 Monaten Test), wobei es da kein Bereuen war dass ich ihn nicht mehr nutze, sondern ein bisschen Wehmut. Der Kleine hat mir immerhin ein paar Jahre sehr treue Dienste geleistet.

Ja, ich habe mir einen Plan B gelassen, denn sollte ich tatsächlich merken, ohne Auto passt es nicht, oder setzt mich zeitlich zu sehr unter Druck, dann möchte ich nicht erst wieder ein brauchbares suchen. Brauchbar und preiswert sind zwei Dinge die nicht oft einhergehen bei Autos und da ich nicht bereit bin für ein Auto viel Geld auszugeben, bleibt mir zumindest erstmal die Möglichkeit meinen alten Wagen wieder anzumelden.

Ich habe eigentlich genau zur richtigen Zeit mit diesem Test begonnnen, denn ich hatte nahezu immer schlechtes Wetter und es regnete ohne Unterlass wenn ich unterwegs war!
Das führte mich zu zwei Dingen: Ein Wasserfester Rucksack wäre eine gute Idee und zu der Erkenntnis, dass meine als Wasserdicht verkaufte Überkleidung, das Wort DICHT missverstanden hat. Zumindest meine Jacke hält dieses Versprechen nicht wenn es mal richtig regnet, hält aber noch genug ab, das es nicht sooo schlimm ist (wird dennoch alsbald ausgetauscht, im Moment ist der Regen noch nicht so kalt, später wirds unangenehm). Am Ziel angekommen zieh ich einfach einen frischen, trockenen Pullover aus dem tatsächlich Wasserdichten (Ortlieb Velocity) Rucksack und gut ist. Mich hat es bisher kein bisschen gestört beim Regen unterwegs zu sein. Argument Nummer 1, das Wetter hat sich also verflüchtigt. Das es überhaupt ein Argument war, schien mir im Nachhinein, gerade als jemand der gerne bei Wind und Wetter wandernd unterwegs ist, sehr unsinnig, aber naja ^^ Wenn mich also diese Fahrten im Dauerregen schon nicht störten, hatte ich eine Naturgewalt schonmal abgehakt. Bleiben Sturm, Schnee und Eis. Ich werde berichten.

Eine weitere Erkenntnis war dann folgende. Ich muss nicht lernen langsamer zu fahren um nicht zu schwitzen, ich muss mich nur richtig anziehen! Ich kann einfach nicht langsam mit dem Rad fahren, das ist mir einfach nicht möglich. Dieses „rollen lassen“, geht einfach nicht (ich glaube das ist ein Physisches Problem ^^), ich trete non stop in die Pedale, einfach weil es mir Spaß macht. Anfangs hatte das zur Folge, dass ich auch ohne Regen nass am Ziel ankam, doch mittlerweile habe ich ein besseres Gespür dafür, was genug und was zu viel an Kleidung ist.

Die Panne. Auch hier ein schönes Beispiel, da mein Rad irgendein Problem hat, anders kann ich mir nicht erklären, dass mein Hinterrad in 3 Wochen das dritte mal (jeweils nach 1-2 Fahrten) platt war, kenne ich mich mit Pannen nun gut aus. In 7 Jahren nie ein Problem, obwohl das Rad mehrfach die Woche genutzt wurde, nun gleich drei mal!
Das hatte zur Folge dass mich einmal ein Kumpel heim gefahren hat (inkl. Rad im Kofferraum), einmal dass ich mit dem Bus fuhr (hin und zurück) und einmal dass ich Nachts um halb vier nach wenigen Minuten Fahrt feststellen musste, dass mein Reifen sich leert und ich den Rest des Weges wohl zu Fuß beschreiten muss. Ich laufe gerne, aber lieber mit Rucksack durch den Wald, als mit einem platten Reifen durch die Stadt!
Hat mich das genervt? Ohne Frage! Gerade letzteres besonders, da ich für den Weg gut eine dreiviertelstunde gebraucht habe wo ich mit dem Rad nur zehn Minuten hätte fahren müssen zudem war ich echt müde! Hat es mich genug genervt um mir das Auto zurück zu wünschen? Erstaunlicherweise nicht!
Mal schauen. War nun mit dem Rad bei jemandem der sich damit auskennt und es wurde jetzt nochmal überprüft, mal schauen ob ich in meiner 2 Monatsübersicht von weiteren Pannen berichten kann. Ich hoffe nicht.

Der Bus. Ist erstaunlich praktisch und viel besser als ich ihn in Erinnerung hatte. Das BOB Ticket ist für mich, der selten Bargeld bei sich hat weil er lieber mit Karte zahlt, ideal. Einmal bin ich aufgrund des platten Reifens mit dem Bus gefahren und einmal war es eine spontane Tour mitten in der Nacht. Ich musste mal eben was erledigen, bzw. wollte was holen und es hat prima geklappt. Das hat mich wirklich erstaunt denn eine meine Sorgen „geht es spontan mal schnell irgendwo hin und wieder zurück“ hatte sich damit ebenfall verflüchtigt. Mit einem Ticket kam ich hin und zurück und die investierte Zeit war überschaubar. Mir ist die Flexibiliät also auch ohne Rad nicht genommen, zumindest bis zu einer gewissen Uhrzeit. Nach ein Uhr Nachts wird es schon schwieriger. Es ist erstmal gewöhnungsbedürftig gewesen für mich mit dem Bus zu fahren, habe ich seit 11 Jahren nicht mehr gemacht. Man steigt nun vorne ein, zahlt fast das dreifache und ab einer gewissen Uhrzeit teilt man sich mit so mancher merkwürdigen Gestalt den Fahrraum, aber das ist alles voll und ganz in Ordnung und ich muss sagen, ich fahre gerne Bus. Tat ich „damals“ schon und tue ich noch immer, das hat sich also nicht geändert.

Mit dem Car Sharing habe ich bisher noch keine Erfahrungen, da ich es noch nicht genutzt habe weil kein Bedarf bestand.

Was für Aspekte sind mir aber insgesamt aufgefallen?
Man muss etwas anders planen. Ist man mit dem Bus unterwegs, dann hat man feste Zeiten zu denen man an der Haltestelle sein muss, der Bus wartet nicht!
Ist man mit dem Rad unterwegs, muss man sich überlegen was man anzieht, mitnimmt, wann man zurück fährt. Wenn ich beispielsweise um 15 Uhr irgndwo hin fahre und erst spät in der Nacht zurück, ist es klug noch Kleidung dabei zu haben, weil es Nachts nunmal deutlich kälter ist. Wird für den Abend Regen vorhergesagt, ist es nicht verkehrt eine Regenjacke im Gepäck zu haben.
Ich lebe gesünder, einfach dadurch, dass ich mich „zwangsläufig“ mehr bewege. Und das genieße ich sehr.

Der größte positive Aspekt ist jedoch, dass ich viel mehr sehe und erlebe. Gelegentlich fahre ich mit dem Bus hin und laufe zurück, manchmal umgekehrt. Und ob nun zu Fuß oder mit dem Rad, ich nehme meine Umgebung viel intensiver wahr. Geschäfte an denen ich immer (mit dem Auto) einfach nur vorbei gefahren bin ohne sie überhaupt zu bemerken sehe ich nun plötzlich. Man trifft Leute auf der Straße oder im Bus die man lange nicht gesehen hat, oder durch stetiges wiedersehen kennen lernt etc.
Vor allem das Laufen mag ich sehr gerne, wobei das natürlich manchmal ein Zeitfaktor ist. Das Fahren mit dem Rad dauert insgesamt nur minimal länger als mit dem Auto. Einzig Nachts, wenn die Straßen frei und die Ampeln aus sind, ist das Auto deutlich überlegen, ansonsten komme ich mit dem Rad vielleicht 3-5 Minuten später an.

Als bisheriges Fazit kann ich sagen, trotz schlechtem Wetter und einiger Pannen ist die Alternative Bus/Rad/Fuß für mich bisher die bessere Wahl, deren Vorteile deutlich über den Vorteilen eines Autos stehen. Denn der einzige Vorteil an einem Auto ist der Luxus Faktor!
Für manche ist ein Auto an sich noch etwas schönes, da fehlt mir die Bindung um mitreden zu können. Es ist für mich nur ein Gebrauchsgegenstand und unter den Gebrauchsgegenständen zählt es (nur für mich gesprochen) zu den Luxusgütern. Mit größerer Familie, wenn man außerhalb wohnt, oder wenn es halt der Job von einem verlangt viel unterwegs zu sein, dann wird das wohl etwas anderes sein, aber für mich ist es nur ein Luxusobjekt, welches mich trocken und gemütlich überall hin bringt und sich dafür mit Geld füttern lässt.

Den nächsten Artikel zu diesem Titel gibt es wohl irgendwann Ende Oktober, Anfang November.

In diesem Sinne

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