Fernweh

Ich bin jetzt schon seit fast drei Wochen wieder zurück in Deutschland, nachdem ich zwei sehr intensive Wochen auf Island verbracht habe und mit meinem Kumpel C den Laugavegur bis Porsmörk gelaufen bin. Diese Reise hat auf ganzer Linie neue Maßstäbe gesetzt und einen enorm prägenden Eindruck hinterlassen. Hier mal ein kleines Beispiel warum.

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Ich muss dazu sagen, das Bild ist in keiner Weise bearbeitet, und was man mit den eigenen Augen gesehen hat, war noch um einiges großartiger als es dieses Bild zu zeigen in der Lage ist.

Natürlich wird es zu dieser Tour noch einen entsprechenden Reisebericht geben, aber wie immer lasse ich mir etwas Zeit damit, damit die Eindrücke ein wenig sacken können. Zuvor ist ohnehin noch ein Reisebericht zu einer Tour in Österreich dran. Hier geht es aber um das, was Island oder die Tour an sich, in mir ausgelöst hat. Nämlich massives Fernseh oder Treckingfieber in einer Intensität, wie ich es noch nie zuvor erlebt habe. Nach der Hälfte der Tour hatte ich einen Tiefpunkt, bei dem ich dachte, 6 Tage reichen vollkommen aus um mit Schlafsack und Tarp unterwegs zu sein, doch nachdem diese Hürde überwunden war (wir waren 12 Tage, 10 Nächte unterwegs) änderte sich meine Einstellung dazu radikal. Das Tarp und der Schlafsack wurden von einem notdürftigen Platz zum Schlafen zu einer Unterkunft, sogar zu einem Zuhause, in dem ich mich wohl fühlte.

Auch wenn es komisch klingen mag, aber der Gewöhnungsprozess war soweit fortgeschritten, dass es eben als „Haus“ anerkannt wurde und das war sehr angenehm. Von vorn herein schlief es sich gut, die stete frische Luft die Erschöpfung des Tages und auch der geregelte Ablauf. Jeder Handgriff saß nach ein paar Tagen, man musste über nichts mehr nachdenken, sondern baute normal sein Lager ab nachdem man in Ruhe gefrühstückt hatte und machte sich auf den weiteren Weg, Abends wurde es dann eben in schnellen, gezielten Handgriffen aufgebaut. Man hatte immer ein konkretes Ziel gehabt, keinen Stillstand ABER auch keine Hektik oder Unruhe! Natürlich war eine stete Anstrengung unsere Begleitug, doch das war eine angenehme Anstrengung. Man benutzte seinen Körper quasi wofür er schließlich da war, um sich im aufrechten Gang zu bewegen!

Insgesamt war das eine unheimliche Freiheit, die man aus seinem normalen Alltag nicht kennt (also ich zumindest nicht). Arbeitsbeginn und Feierabend sind meist zu fest definierten Zeiten (ersteres eher als letzteres ^^), man hat seine Zeit für das Frühstück, übt seine Arbeit aus, die einem zwar Spaß macht, das ohne Frage, aber es ist halt was Anderes. Das Laufen fühlt sich einfach natürlicher an, einfach passend zu dem ganzen Tagesablauf und man gerät in einen gewissen Fluss oder Flow wie man jetzt so schön sagt. Auch wenn das komisch klingen mag, ich bin im Moment nicht in der Lage dazu das besser zu erklären. Vielleicht innerhalb des Reiseberichts.

Man steht auf wenn man wach wird, was bei uns meist kurz nach Aufgang der Sonne war (die ohnehin nicht ganz unterging) so um 4 Uhr rum in etwa (also nach deutscher Zeit 6 Uhr) man ging ins Bett wenn man müde wurde und nichts mehr zu tun hatte, was dann ebenfalls recht früh war, so gegen 20/21 Uhr, manchmal auch früher. Man baute sein Lager auf, aß unterhielt sich noch etwas und kurz darauf ging man auch schon schlafen.

Den ganzen Tag über war man in diesem Flow, sah allerhand Dinge und es gab nichts störendes. Nichts was einen in unötige Hektik versetzte, keinen Termindruck und vor allem auch keine unendlich vielen künstlichen Einflüsse! Sei es künstliches Licht, Fernseh- oder Radiowerbung, Plakate, Autos, Busse und allgemein Straßenlärm, Laute und sehr viele Mitmenschen etc. etc. ich glaube es wird deutlich was ich meine. Mich stört das alles nicht wirklich, man ist schließlich von der Geburt an daran gewöhnt, es gehört zum Alltag, aber wenn man mal über einen längeren Zeitraum davon befreit wird, dann wird einem erst bewusst wie sich damit die Wahrnehmung des Alltags verändert. Und ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe es wirklich genossen. Man hat den Kopf so wirklich frei bekommen und hatte Zeit zu sich zu kommen ohne von etwas anderem abgelenkt zu werden, das baute eine unheimliche innere Ruhe auf, was jetzt esoterischer klingt, als es gemeint ist 🙂

Natürlich gab es beim wandern viele widrige Situationen und es war stellenweise ziemlich anstrengend, aber auch das war irgendwie eine natürliche Anstrengung, gehörte einfach dazu. Diese Anstrengung war unter Garantie gesünder als mehrere Stunden vor dem Computer zu sitzen (was ich dennoch nicht missen möchte, ich bin schließlich auch Schriftstellerisch tätig ^^)

Als es dann auf die Rückreise ging, man das (vorerst) letzte mal sein Lager abbaute und sich auf den Weg machte war es ein komisches Gefühl. Natürlich freute man sich darauf wieder nach Hause zu kommen und seine Freunde/Familie zu sehen, aber irgendwie hatte man sich auch sehr an Schlafsack und Co gewöhnt gehabt. Man verließ nun ein Zuhause.

Was mir extrem auffiel war, dass ich mich, anders als sonst, nicht auf mein Bett daheim freute. Das war sonst immer so ein Punkt, dass ich es genoss wieder in meinem vermeintlich gemütlichen Bett zu schlafen, diese Vorfreude gaukelte ich mir auch vor, bis ich mich dann (nach 38 Stunden ohne Schlaf ^^) hinein legte. Ich merkte sofort, dass es keine Freude mehr war, sondern eher Wehmut nach der Freiheit unter dem Tarp/freien Himmel. Ich fühlte mich ein wenig eingesperrt! Zeit meines Lebens habe ich daheim immer mit geschlossenem Fenster geschlafen, weil ich leider ziemlich schnell bei Lärm aufwache(te) und gegenüber meiner Wohnung ist eine Bushaltestelle die an mehreren Tagen in der Woche auch Ziel der betrunkenen Jugendlichen ist, die aus der Disko in der Nähe dort hin strömen. Der Lärm der Busse reichte schon aus um mich oftmals zu wecken früher wenn ich es versuchte. Seit ich wieder zurück bin, habe ich keine Nacht mit geschlossenem Fenster geschlafen und gleichzeitig wesentlich besser, schneller und tiefer als noch zuvor. Wenigstens diese Freiheit wollte ich mir erhalten, denn es musste einige kompensiert werden. Einmal war ich sogar in der Nacht aufgewacht und erschrack richtig, weil ich mich wunderte wo die ganzen Wände herkamen. Einen Moment später musste ich drüber lachen.

Der Drang wieder aufzubrechen steigerte sich, das Bett wurde nicht mehr der schöne Ort auf den man sich freute (auch in den nachfolgenden Nächten nicht) sondern halt ein Bett. Es war zwar auch schön wieder zuhause zu sein ohne Frage, aber nach einer Woche wollte ich wieder weg! Ich begann sofort zu planen und Ziele heraus zu suchen und der Drang aufzubrechen riss nicht ab. Daran hat sich noch nichts wieder geändert, so gerne ich auch hier bin. Ich möchte noch immer lieber unter einem Tarp schlafen statt in meinem Bett, ich möchte morgens mit der Sonne aufwachen, gemütlich frühstücken und dann den Tag über unterwegs sein und die Umgebung erkunden.

Ich freue mich also enorm darauf meine nächste Tour zu laufen und das wird im Oktober sein, wenn auch nur 2-3 Tage. Aber nichts desto trotz, ich habe mich noch nie so auf eine Tour gefreut und bin schon sehr gespannt darauf. Wahrscheinlich führt die Oktober Tour mal wieder in den Harz, aber da ist es immer wieder schön und hauptsache man ist draußen.

In diesem Sinne

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