Minimalistisch und Ultraleicht Wandern sind nicht dasselbe!

Ein Punkt den ich am Wandern oder vielmehr Outdoor Touren sehr schätze ist, dass man mit dem unterwegs ist was man tatsächlich benötigt. Man kann natürlich mitnehmen was man möchte, aber hier trägt man alles Unnötige physisch spürbar als Ballast mit sich herum. Das eignet sich schön für eine Metapher die eigentlich gar keine Erklärung Bedarf weil sie sich selbst erklärt. Ich mache es trotzdem, weil ich sonst keinen Artikel schreiben würde. ^^

Besagten Ballast hat man auch im Alltag, nur ist diese Last dann nicht auf dem Rücken aufgeschnallt in Form eines Rucksackes, sondern eben in der Wohnung verteilt, dem stationären Rucksack wenn man so will. Die Last ist somit zwar keine physische mehr, aber eine last ist es dennoch, zumindest wenn man die Ambitionen hat, eine gewisse Stille und Leere zu genießen. Hier will ich aber weniger auf den Minimalismus als solches eingehen und was er für mich bedeutet, dass habe ich oft genug getan, sondern wirklich speziell auf das minimalistische Wandern und was das für mich ist. Ich weigere mich hier ein wenig vom Ultraleicht-Wandern zu sprechen, weil das für mich zwei verschiedene Ansätze sind, die zwar Gemeinsamkeiten aufweisen, aber nicht synonym zu verwenden sind, daher eben die Differenzierung.

Mir geht es bei allen Touren darum, wirklich das absolute Mindestmaß an Ausrüstung mit mir herum tragen zu müssen. Nichts in meinem Rucksack darf in irgendeiner Art und Weise überflüssig sein. So manche Ausrüstung habe ich noch nie verwendet und hoffe auch sie niemals ungewollt verwenden zu müssen, denn das wäre in erster Linie die erste Hilfe Ausrüstung und alles was für den reinen Survival Bereich gebraucht wird. Das ist wenn man so will meine Sicherheitsausrüstung und selbst da habe ich wirklich auf ein vernünftiges Mindestmaß reduziert. Ich bin wahrscheinlich nicht für alles gewappnet, aber ganz ehrlich, kann man für alles gewappnet sein? Ich bin ausgebildeter Ersthelfer und mit dem was ich dabei habe, kann ich das meiste notdürftig versorgen. Im Falle von diversen Verletzungen oder Verletzungen mit einer gewissen Intensität, sind die meisten mit sich führbaren erste Hilfe Sets ohnehin unbrauchbar (außer die wirklichen Medi Kits natürlich) und mir mangelt es da sicherlich auch an Fähigkeiten ab einem gewissen Punkt, doch die Sachen die ich notdürftig behandeln kann, dafür habe ich soweit alles mit. Die einzigen Medikamente die ich mit mir trage sind Schmerzmittel und Desinfektionsmittel, wobei letzteres ja nichtmal ein Medikament ist.
Ähnlich sieht meine Survival Ausrüstung aus. Mit meinem Rucksack und dem was alles darin ist, kann man so oder so schwerlich von survival sprechen, es ist Kleidung darin, etwas um einen Unterschlupf zu bauen und dergleichen. Das heißt meine reine Survival Ausrüstung ist letztendlich das, was ich am Körper trage, denn in eine survival Situation kann ich nur kommen, wenn ich meinen Rucksack verliere. So nutze ich entweder die diversen Taschen meiner Hose, neuerdings aber favorisiere ich eine kleine Bauchtasche. Darin befindet sich Messer, Kompass, Trillerpfeife, etwas Paracord, ein Metallbecher, ein Feuerstahl und etwas Zunder, sowie die Karte der Umgebung, etwas Wasserentkeimer (Tabletten auf Chlor Basis) und meist ein Oatsnack oder halt einfach die Tagesration dessen, was man so nebenbei isst (Abendessen und Frühstück sind natürlich im Rucksack). Das sind alles nur Kleinigkeiten aber im Notfall wird mir das sehr behilflich sein und ggf. aus einer Notsituation nur noch eine unangenehme Situation machen. Meine 1. Hilfe ist natürlich auch mit in der kleinen Bauchtasche und darin sind als “Luxus” noch Nagelknipser und Pinzette enthalten. Hier habe ich bewusst darauf verzichtet die Plastik Versionen zu nehmen, sondern nehme eben die schwereren aber meiner Meinung nach vertrauenswürdigeren Edelstahl Versionen.

Ich könnte natürlich noch eine Notfalldecke und unzählige andere Gegenstände einpacken, aber wozu? Man kann sich nicht auf alles vorbereiten und genau damit sollte man auch zu leben lernen. Nicht unvorsichtig sein, sondern realistisch. Es kann passieren dass ich von meinem Rucksack und meiner Hauptausrüstung getrennt werde, dann würde ich mich vielleicht über eine Notdecke freuen, aber wenn ich von meinem Rucksack getrennt werde, dann müssen das schon massive Sorgen sein und ich weiß nicht, ob eine Notfalldecke die Sitation dann retten kann. Ich könnte mir noch weitere Feuerzeuge, Streichhölzer und Co einpacken. Aber wofür? Dem Feuerstahl sind Höhe, Kälte und Nässe gleichgültig, also warum Ausrüstung mit sich führen, die markante Schwächen hat, wenn man eine ohne wählen kann? Als Zunder nehme ich gerne Wattepads mit Vaseline, weil ein funken ausreicht sie zu entflammen und sie gut brennen und manchmal, je nach länge der Tour auch ein paar Stücken Fatwood. Mit dem Wattepad entzündet man das Fatwood und damit kann man sogar tropfend nasses Holz entzünden! Wozu mehrere verschiedene Anzünder nehmen, oder diverse Messer? Ich habe zig Videos im Netz von Survival Bags gesehen, wo ich nur mit dem Kopf schütteln kann über den ganzen Unsinn der eingepackt wird, oder dieses doppelt und dreifach denken.

Es ist unwahrscheinlich dass man auf alle Gegebenheiten auf einmal trifft, und hier ist dann noch so eine Kleinigkeit. Die Ausrüstung wird natürlich auf die jeweilige Tour angepasst, ich nehme also immer eine maßgeschneiderte Ausrüstung mit. Wie weit ist man von der Zivilisation entfernt? Wie lange muss man im Zweifel zurechtkommen? Was sind für Gegebenheiten vor Ort? Welche Jahreszeit hat man? Welche Wetterverhältnisse etc. Wie gesagt, realistisch, nicht unvorsichtig und das bedeutet in der Regel gute Vorbereitung, dadurch alleine kann man bereits Gewicht sparen, auch wenn das nicht oberstes Ziel ist.

Wenn ich alleine unterwegs bin, besteht mein Lager aus vier Gegenständen: Tarp (universell einsetzbar), Schlafsack, Iso-Matte und für richtig schlechtes Wetter ist noch ein Biwaksack dabei. Bin ich beispielsweise im Sommer unterwegs und weiß, ich habe nur Waldboden oder Wiesen auf denen ich schlafen kann, dann nehme ich noch ein leichtes Mückennetz (inkl. Boden) mit. Da Zecken nicht zu meinen Lieblingstieren gehören und ich in Schottland eine Mückeninvasion erleben “durfte” nutze ich ein solches Netz ganz gerne um mich zu schützen. Das hat sowohl gesundheitliche Aspekte, als auch solche der Erholung.

Mein Regenschutz besteht aus einem Poncho (den habe ich manchmal, bei wechselhaftem Wetter auch in der Bauchtasche, ich kann ihn auch als kleines Tarp nutzen) und Beinlingen wenn es richtig lange und kräftigt regnet. Im Winter kommen noch Gamaschen hinzu. Ich brauche hier keine High Tech Membran oder dergleichen, die meiner Meinung nach fast alle mehr Nachteile als Vorteile haben, insbesondere der eklatant hohe Preis.

So kann ich die Liste weiterführen, bzw. eigentlich gibt es nicht mehr viel zu sagen. Hobo Kocher und Titantopf bilden die Abteilung Küche und dem Wetter entsprechend nehme ich noch einen gewissen Wärmeschutz mit, damit ist mein Rucksack gepackt!

Was zunächst wie Ultraleichtwandern klingt ist nur die Gemeinsamkeit die UL Wandern und wie ich es nenne Minimalistisches Wandern haben, nämlich das Minimum an Ausrüstung. Der frappierende Unterschied liegt, so finde ich, darin, dass ich nicht um jeden Preis geringes Gewicht versuche zu erreichen, sondern die Robustheit des Materials in den meisten Fällen vorrang hat. Was nutzt es mir, wenn das Material zwar unglaublich leicht ist, aber ich mich nicht im Zweifel auch darauf verlassen kann? Natürlich schaue ich auch auf das Gewicht und versuche so leicht wie möglich zu bleiben, aber das erlange ich eher durch das Weglassen von Ausrüstung. Mein Rucksack ist für Ultraleicht Wanderer sicherlich zu schwer (müsste ihn für genaue Daten wiegen) aber ich weiß, der macht so ziemlich alles mit und kein Ast oder Zweig wird ihn irgendwie beschädigen können. Mein Messer (das gute Fjällkniven, ich liebe es) könnte auch leichter sein, das Mora würde sich da anbieten, auch ein sehr gutes Messer, aber ich mag mein Fjällkniven und weiß, dass macht ebenfalls alles mit! Vielleicht muss es das nicht, vielleicht niemals, aber wenn, dann habe ich was ich brauche und auch das nötige Vertrauen darin. Deswegen brauche ich auch kein Backup Messer oder dergleichen. Ich habe einen Ausrüstungsgegenstand, dem ich alles zutraue wofür es gedacht ist. Meine Outdoor Küche ist vom Gewicht her wohl schwer zu untertreffen und da würden die meisten Ultraleichtherzen wahrscheinlich frohlocken 🙂 Aber auch dabei geht es mir primär um die Unabhängigkeit. Ich brauche nur wenig Brennstoff, bzw. einfach nur Zunder, den Rest bietet mir die Umgebung. Meine Verpflegung ist so gewählt, dass ich weder auf Feuer noch auf Wasser angewisen bin und trotzdem schmackhaft satt werde und mich mit allen Nährstoffen versorge. Feuer brauche ich nur für zwei Luxusartikel, Kaffee am morgen und für einen Brühwürfel am Abend. Beides schön, leicht, aber nicht notwendig im Zweifel. Bei dem Topf habe ich Titan gewählt, weil es keine Hitze speichert. Nimmt man den Topf vom Feuer, dauert es nur einen kurzen Augenblick und man kann ihn einpacken. Zudem ist er sehr leicht und nicht minder robust. Was will man mehr?

Es gäbe noch mehrere Bereiche wo man sparen könnte, sei es ein Biwanorak wo man Poncho und Biwaksack in einem hat. Ich war lange sehr überzeugt davon, habe mich dann aber doch dagegen entschieden ihn zu kaufen, weil mir einfach das vertrauen fehlte (mal abgesehen von dem Willen 200€ dafür zu zahlen). Das Material schien mir zu fragil und hier ist dann tatsächlich die Gefahr, verliere ich diese eine Stück Ausrüstung, ist mein Regenschutz und mein Nachtlager gefährdet! Rein vom Gewicht her betrachtet wäre die Entscheidung eine andere.

Das minimalistische Wandern also ist schon sehr nahe an dem Ultraleicht Wandern, doch der Fokus liegt bei meiner Art der Outdoor Touren auf Stabilität und Vertrauen in das jeweilige Produkt. Ich möchte mit meiner Ausrüstung diverse Touren erleben und mich nicht jedes Mal neu ausrüsten müssen!

In diesem Sinne

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