Zelt oder Biwak?

Diesmal geht es mal wieder um die Outdoor Abteilung dieses Blogs. Und zwar im speziellen um die Frage: Zelt oder Biwak. Wo es sich letztlich am besten schläft, entscheidet natürlich das eigene Empfinden. Der Eine braucht einfach den räumlichen Schutz den ein Zelt bringt, der Andere und dazu zähle ich mich, liebt es, unter freiem Himmel zu übernachten. Ich stehe eindeutig auf der Seite des Biwaksacks, aber aus rein persönlichen Gründen, ich möchte/werde dass Zelt an sich hier nicht schlecht machen, sondern die Vor- und Nachteile von beiden Möglichkeiten aus meiner Perspektive und anhand meiner Erfahrungen vergleichen.

Als ich mich mit meinem Wanderkumpan auf unsere Schottland Tour vorbereitet habe, stand trotz unserer bisherigen Biwaktouren felsenfest klar, dass wir ein Zelt nutzen würden. Dem Schutz wegen. Wir hatten uns dafür eigens ein gutes und vor allem leichtes Zelt gekauft. Der Termin rückte letztlich näher und als die Packliste für die 10 Tagestour feststand, stand auch fest, dass das Gepäck zu schwer war! Es musste alles nochmal genau sondiert werden. Mittlerweile haben wir fast alles auf extrem leichte und multifunktionale Materialien umgestellt, dass war zu dem Zeitpunkt noch nicht der Fall.

Ziel war, inkl. allem (Essen, Wasser und Ausrüstung) unter 20KG zu kommen (wir kamen am Ende auf 17KG pro Nase). Allein auch wegen des Fluges und den dort zulässigem Gewicht. Nach langem hin und her wurde klar, dass unter anderem dass Zelt mit seinen 1,7KG pro Person (wir hatten beide jeweils ein eigenes Zelt) zu viel war. Wir entschieden uns für eine einfache Plane aus dem Baumarkt und vertrauten auf unser Glück! Diese Entscheidung war goldrichtig! Da wir das Gepäck untereinander aufteilen, damit jeder in etwa das Gleiche mit sich schleppt, nahm mein Kumpel die Abteilung Lager mit allem was dazugehörte, ich nahm die Küche. Letztlich war der Satz eines anderen Freundes aber ein zusätzlicher Ausschlaggebender Punkt dafür, dass Zelt daheim zu lassen (mittlerweile ist es verkauft). Als ich ihm von dem Zwiespalt erzählte, antworte er schlicht und ergreifend „Du willst doch in die Natur, warum willst du denn dann dein Haus mitschleppen?“. Dem war (für mich) nichts mehr hinzuzufügen.

Doch wo liegen denn nun die Vorteile und Nachteile bei einem Zelt oder eben einem Biwaksack?

Nun, ein Zelt hat den großen Vorteil, dass es tatsächlich mehr Schutz bietet, man kapselt sich quasi von der Außenwelt ab und hat seinen eigenen Raum. Man ist vor Wind und Wetter geschützt, kann in Ruhe seine Sachen ein- und auspacken ggf. sogar im Eingangsbereich des Zeltes kochen (mit dem Hobo Kocher (siehe Artikel) den ich ausschließlich nutze würde ich das jedoch nicht machen ^^), man kann sich umziehen und so weiter und sofort. Man hat wirklich sein kleines mobiles Zuhause. Dass ist definitiv ein Luxus. Wie eingangs erwähnt, will ich diesen Luxus in keiner Weise schlecht machen, denn ein Zelt an sich ist enorm praktisch. Man sollte aber wirklich Zeit investieren und sich ein gutes Zelt suchen. Ich bevorzuge Geodät Zelte, weil diese alleine stehen können, dass macht sie unabhängiger davon eine gute Stelle zum festzurren zu suchen. Auch sollte man auf das Gewicht achten, denn da kommt schnell was zusammen.

Das erste Mal als ich mit dem Zelt unterwegs war, nahm ich ein, zwar extrem leichtes, sehr billiges Bundeswehr Zelt für zwei Personen. Nachts wurde ich dass erste Mal wach, als die Zeltplane wegen dem Kondenswasser soweit einfiel, dass sich mir die Plane auf das Gesicht legte und ich kurzzeitig nicht atmen konnte, dass zweit Mal wurde ich in dieser Nacht wach, als besagtes Kondenswasser für Regen innerhalb des Zeltes sorgte. Auf dem Berg war zum Glück ein Mülleimer und in selbigem landete dann auch das Zelt.

In den Vorteilen des Zeltes liegen für mich aber auch die Nachteile. Erster und vielleicht größter Nachteil war für mich das Gewicht. Um weiteres Gewicht zu sparen hätte man zwar ein Zweimann Zelt nehmen können und sich dieses Gewicht teilen, aber das war schließlich nicht der einzige persönliche Nachteil. Wenn ich so recht überlege, jetzt kommen eigentlich die hauptsächlichen Nachteile. Wenn ich in der Natur unterwegs bin, dann möchte ich nicht abgeschnitten sein von meiner Umgebung, ich möchte nicht in meinem eigenen kleinen Reich, sondern eben IN der Natur sein. Diese Erfahrung nimmt einem das Zelt etwas. Deswegen stört es mich beispielsweise, dass ich auch nicht sehe was außerhalb des Zeltes los ist, sobald ich darin bin. Ich habe keine Platzangst, aber da habe ich schon ein wenig das Gefühl des „gefangenseins“, nicht der Enge wegen, dass ist mir egal, sondern schlicht weil ich nicht sehen kann, was um mich herum passiert. Dass nimmt mir eben auch dieses „Nachts in der Natur“ Erlebnis. Mit Zelt beispielsweise wäre ich um einige unglaublich schöne Sternenhimmel gebracht worden. Dass wäre wahrlich eine Schande gewesen. Ein weiterer Punkt ist die „Anfälligkeit“ (relativ zu sehen, aber für mich ein Argument) von Zelten. Ist ein Gestänge kaputt, hat man ein Problem, dass bringt mich widerum zum nächsten. Mit dem Zelt ist man einfach nicht flexibel was Untergrund und Lage angeht. Ein Zelt hat immer die gleichen Maße, braucht immer den gleichen Platz, muss so und so befestigt werden. Auf den meisten der bisherigen Touren hätte man schlichtweg gar nicht die Möglichkeit gehabt ein Zelt entsprechend aufzubauen! Wer Interesse hat kann ja mal meine Reiseberichte durchschauen, da hätte ich einige Lagerplätze nicht wahrnehmen können und das wäre schade drum gewesen. Dann geht es mir noch den Platz den man brauch und „plattliegt“. Ein Zelt hat mehr Grundfläche als eine Iso-Matte auf der man liegt, dass heißt man beeinträchtigt mehr Boden mit einem Zelt, als wenn man einzig mit der Iso-Matte auf dem Boden liegt. Da ich ein großer Verfechter von „leave no trace“ bin, ist dass kein unwichtiger Punkt. Das sind meine Beweggründe mich gegen dass Zelt zu entscheiden und besagten Luxus aufzugeben, auch wenn es manchmal wirklich ein Segen ist, wenn man die „Tür zumachen“ kann und seine Ruhe hat.

Die genannten Nachteile des Zeltes sind die Vorteile des Biwaksacks! Man ist sehr flexibel in der Schlafplatzwahl, weil man nur ca. 55x200cm Platz braucht. Der Untergrund ist relativ egal, man muss nichts extra festmachen, man ist mitten in der Natur, kann sich des Nachts den Sternenhimmel anschauen und dergleichen mehr. Doch es ist nicht alles Gold was glänzt, dass will ich hier keinesfalls verschweigen. Verzichtet man auf das Zelt, verzichtet man auf den Luxus!!!

Mal eben kurz im Zelt umziehen geht nicht, eben kurz die Sachen in Ruhe sortieren, vor sich ausbreiten bei noch so starkem Regen, geht nicht, absolut Windgeschützt egal wo man ist, geht nicht! Dass muss man sich nämlich auch vor Augen halten. Bei schönem Wetter direkt IN der Natur zu sein ist schön, bei schlechtem Wetter kann dass aber auch anstrengend werden (ist auch eine persönliche Sache, ich mag es gerne mich der Natur auch bei schlechtem Wetter zu stellen, dass ist aber nicht jedermanns Sache und darüber sollte man sich Gedanken machen)!

Zur Sicherheit haben wir zum Beispiel immer eine Plane dabei. Zwar ist der Biwaksack an sich schon Regenfest und man könnte ihn bis auf ein kleines Guckloch schließen, aber wir mögen es lieber, wenn das Gesicht frei bleibt. Bei schlechtem Wetter sieht man zudem keine Sterne, da macht es nichts, wenn man eine Plane über sich spannt. Mit dieser Plane kann man zudem einen Wind- und Regenschutz bauen, wie es die Umstände gerade zulassen, man kann sie im Notfall zu einer Trage umbauen und dergleichen mehr. Sie ist schnell aufgebaut und flexibel. Wahrscheinlich werden wir statt der Baumarktplane nochmal auf ein Tarp umrüsten, was noch besser zu spannen ist und etwas leichter. Auch als Sonnenschutz ist sowas praktisch. Baut man „mal eben“ sein Zelt auf um sich irgendwo am Wasser einen Sonnenschutz zu errichten? Wohl kaum! Mit einer Plane/Tarp ist das aber kein Aufwand. Diese Flexibilität finde ich sehr angenehm.

Die Plane dient auch dem Zweck unsere Ausrüstung vor Regen zu schützen oder eben unter jener Plane zu kochen (da kann man den Hobo Kocher problemlos nutzen, weil man die Plane eben je nach Bedarf aufbauen kann, höher niedriger oder eben abfallend etc. ) wenn es zu stark regnet. Umziehen, auspacken oder dergleichen muss jedoch sehr zügig gehen und von viel Komfort kann nicht die Rede sein, denn damit die Plane nicht letztlich so viel wiegt wie ein Zelt, haben wir uns für das Mindestmaß entschieden. Sie ist also ein Notbehelf um sich zumindest etwas Luxus bei sehr schlechtem Wetter zu simulieren und sich zu schützen. Ein Windschutz ist sie nur dann, wenn man sie entsprechend aufbauen kann, dass sie wirkich vor Wind schützen kann, bspw. in Verbindung mit einer Schutzhütte, denn ansonsten ist sie zu klein um einen „einzuschließen“ oder ein Zelt nachzustellen.  Primär ist es ein zusätzlicher Regen- oder auch Sonnenschutz für uns und unsere Ausrüstung.

Ein weiterer Nachteil des Biwaksacks der mir gerade einfällt ist beispielsweise dass Kondenswasser. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich von diesem Problem bisher eher gelesen, als es selbst erlebt habe und dass obwohl wir beide einen relativ preiswerten (atmungsaktiven) Biwaksack von Salewa haben. Dass er atmungsaktiv ist, ist für mich ein MUSS. Wir haben manchmal etwas Feuchtigkeit festgestellt, aber nichts dramatisches. Kurz auslüften (auch hier ist die Plane Gold wert, denn sonst wird das Lüften der Sachen etwas schwierig) und trocken war alles.

Wenn die Temperaturen draußen zu hoch waren, dass besagte Atmungsaktivität nicht funktionieren kann (!), wie dass bei allen anderen atmungsaktiven Produkten auch der Fall ist, weil diese eben über Verdunstung passiert, die einen Wärmeunterschied braucht, dann habe ich entweder den Biwaksack halb offen gelassen, oder nur in diesem Sack geschlafen. Ich meine mich zu erinnern, dass es mindestens unter 15 Grad sein muss, damit die Atmungsaktivität generell funktionieren kann. Wenn man sich überlegt wie das funktioniert, macht das auch Sinn. Also entweder waren die vielen Fälle von extremen Kondenswasser „Bedienfehler“ oder ich hatte bisher einfach Glück 🙂

Also, ich will hier in dem Sinne keine Empfehlung aussprechen, denn dass muss man letztlich für sich selber entscheiden und auch schauen wie man unterwegs ist, gegebenenfalls auch mit wem. Beide Arten haben ihre Vor- als auch Nachteile ich hoffe, dass ich diese hier gut darlegen konnte. Ich kann es keinem verübeln der mit seinem Zelt eben besagtes zuhause mit sich trägt und gerade in Schottland, wo wir mit extrem vielen Midgets zu kämpfen hatten (siehe Reiseberich „Zwei gegen Millionen„) habe ich nach einer schlaflosen Nacht mit 400 Midgetstichen am Körper ein wenig neidisch zu jemandem geschaut der gerade ausgeschlafen aus seinem Zelt kroch, aber im Großen und Ganzen hat für mich das Schlafen im Biwaksack unter Zuhilfenahme einer Plane mehr Vor- als Nachteile.

Ich hoffe also, dass ich hier dem einen oder anderen bei seiner Entscheidung darüber wie er oder sie am liebsten nächtigen will geholfen habe.

In diesem Sinne

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