Messer, Machete oder doch ein Schwert???

Es ist für Outdoor Zwecke wirklich nicht einfach das passende Messer zu finden, da es einfach eine ungeheure Masse an Messern gibt und man sich gerne auch von martialischer Optik beeinflussen lässt. Ich habe gerade selber eine intensive Suche nach einem geeigneten Messer für meine Outdoor Touren hinter mir und meine gesammelten Erkenntnisse möchte ich gerne in Kurzform teilen.

Ich weiß nicht wie viele Messer ich mir angeschaut habe, aber ab einem gewissen Punkt habe ich sogar davon geträumt, im übertragenden Sinne. Es war bei mir am Anfang wahrscheinlich dass gleiche wie bei den meisten anderen (Männern?!) auch. Die Größe des Messers ist eine schwierige Frage. Man fängt an zu schauen, dann denkt man an ein größeres Messer, sicher ist sicher, dann schaut man ganz zufällig auch mal bei den Macheten und irgendwann ist man Gedanklich schon in der “Schwertabteilung”. Also zumindest mir ging es so. Am Anfang sollte man sich überlegen, was man eigentlich möchte. Ich schreibe bewusst was man möchte und nicht was man braucht, dazu kommen wir später, denn es gilt diese beiden Bereiche zu vereinen.

Ein Messer darf, meiner Meinung nach, nicht nur aus dem bestehen was man unbedingt braucht. Auch was man möchte sollte Einfluss erhalten, denn es ist ein Gegenstand, ein Begleiter den man, bei regelmäßiger Pflege, mehrere Jahre mit sich trägt und auf den man sich verlassen können muss. So ist es nicht nur wichtig, dass es alles von ihm geforderte kann, sondern auch, dass man sich damit wohlfühlt, da spielt die Optik halt auch eine Rolle. Natürlich habe ich diverse Foren durchstöbert um erstmal einen Anfang zu finden. Da werden genug Messer angepriesen und ich weiß nicht wie oft ich von DEM Messer gelesen habe, das ultimative Messer, kann alles und ist durch nichts zu übertreffen… Ich bin letztlich jedoch zu dem Schluss gekommen, so ein Messer gibt es nicht und kann es nicht geben. Dafür sind die Ansprüche und Geschmäcker eines jeden einfach zu unterschiedlich. Dem Einen ist es egal wie schwer es ist, dem Anderen ist eine gewisse Optik sehr wichtig, der Eine hat kleine, der Andere große Hände, der Eine ist nur mal ein Wochenende unterwegs, der Andere einen Monat und so weiter und sofort. Dadurch und durch viele weitere Faktoren ergibt sich einfach ein ganz eigenes Bedürfnis und es gibt dafür mehrere Messer zur Auswahl, für jeden Einzelnen, da entscheidet wieder der Geschmack.

Also, was möchte ich? Eine lange Klinge, lang genug damit Äste zu zerkleinern, eine breite Klinge um Holz spalten zu können, eine Vollerl-Klinge, ein sehr scharfes Messer, ein sehr stabiles Messer, es sollte rostfrei und hart im nehmen sein, nicht zu schwer aber ich war bereit wegen der Feuerholzarbeiten bis zu 500g in Kauf zu nehmen (hatte vorher n kleines Handbeil mit), gut zu transportieren, eine stabile gut zu befestigende Scheide. Ich wollte also eine ganze Menge. Durch das Internet bin ich zunächst beim Gerber LMF II gelandet. Ein fantastisches Messer von dem ich einige Tests bei Youtube gesehen habe. Dass war wirklich ein Messer, dass alles konnte, so schien es. Dann fiel mir dass Gerber LHR in die Augen. Ein wunderschönes Messer! Ich hatte auch dass Fällkniven auf dem Schirm, aber diese beiden Messer von Gerber gefielen mir dermaßen gut, dass sie meine Favoriten blieben, ich würde mich also zwischen ihnen entscheiden müssen, bzw. fixierte mich zu sehr darauf.

Die Tests im Internet waren überzeugend, die Wertigkeit unbestritten. Ich hatte hier also (fast) alles, was ich wollte, aber dass war nur eine Seite der Medaille. das LHR ist in dem Sinne kein Outdoormesser sondern ein Combat Knive, ich würde es also in gewisser Weise Zweckentfremden auch wenn es das aushalten könnte, da war ich sicher, gefiel mir dieser Gedanke nicht. Ich wollte ein Messer, dass genau für meine Zwecke gebaut wurde. Also schwenkte ich wieder zum LMF II. Dass war allerdings viel zu schwer und was mir ebenfalls missfiel war, dass es keine Vollerl-Klinge war. Das ist letztlich Kopfsache, denn stabil ist das Messer ohne Frage, aber das störte mich so sehr, dass ich wieder zum LHR schwenkte, hier war das Gewicht ok, aber die Länge war einfach unpraktisch lang, das erste Mal, dass ich die Länge in Frage stellte. Dann klingelte es langsam in meinem Kopf und ich kam dazu mich zu besinnen, was ich denn tatsächlich brauche.

Ein robustes, leichtes, zuverlässiges, schlichtes, scharfes, nicht rostendes Vollerl-Messer mit breitem Rücken. Die Klingenlänge verschwand nun im Hintergrund. Mir wurde nämlich klar, dass ich keine 100 jährige Eiche mit dem Messer fällen möchte sondern höchstens einen jungen Baum entasten um Feuerholzu bekommen. Dafür brauche ich aber keine lange Klinge. Wenn ich den Ast biege, kann ich am Druckpunkt mit einem scharfen Messer quasi den Ast abschneiden. Das spalten von Holz braucht ebenfalls keine riesig lange Klinge, ich wollte ja keinen Kamin befeuern, sondern meinen Hobo Kocher. Dann eben dass Gewicht. Ich bin gerade dabei meine Komplette Ausrüstung auf ein sehr sehr leichtes Niveau zu bringen, gehöre wohl noch nicht wirklich der UL Fraktion an, aber ich bin schon nah dran würde ich mal sagen. So ist auch das Gewicht des Messers gar nicht mal so unwichtig. Warum soll ich etwas von einer Größe und mit einem Gewicht rumschleppen, was ich nicht brauche? Eben, macht keinen Sinn. Spätestens in diesem Augenblick haben sich die beiden Gerber selbst disqualifiziert.

Für einen solchen Preis will ich keine Kompromisse eingehen. Ich landete also wieder beim Fällkniven F1. Natürlich ging mein Blick fast automatisch zum S1 und zum A1 aber die Vernunft hat mich dann doch wieder eingeholt. Ein weiteres Argument ist nämlich der problemlose Transport. Ich erinnerte mich an Schilder im Flughafen Glasgow, die darauf hinwiesen, dass die Einfuhr von Messern ab einer gewissen Größe bzw. dass tragen dieser untersagt ist. Auch in Deutschland gibt es ja die 12cm Grenze. Sicherlich wird wohl keiner beim Wandern etwas gegen ein etwas größeres Messer sagen, aber im Ausland ist das ggf. problematisch, vor allem am Flughafen. Das Risiko wollte ich zudem vermeiden und so war ich mit der 10cm Klinge des Fällkniven F1 gut bedient. Ich hatte nun ein robustes, leichtes, zuverlässiges, schlichtes, sehr scharfes (Rasiertauglich ab Werk) nicht rostendes Vollerl-Messer. Also alles was ich brauchte und wollte.

Ich kann dass Fällkniven F1 wirklich empfehlen und werde da sicherlich nochmal einen eigenen Artikel zu schreiben. Mit diesem Artikel möchte ich eigentlich nur dazu beitragen, dass man sich einmal Gedanken darum macht, ob man wirklich so ein riesiges Messer braucht. Ich denke eine größere Klinge als die des Fällkniven braucht man nur in den seltensten Fällen und dann dürfte wirklich eine Machete die richtige Wahl sein, denn dann kann es eigentlich nur darum gehen sich den Weg durch den Busch zu hacken. Indem man sich zusätzlich ein wenig mit der richtigen Technik auseinander setzt, wird man schnell sehen, dass eine große Klinge kaum Vorteile hat. Will ich ein größeres Stück Holz spalten, mache ich oben eine Kerbe und schnitze mir dann einen Keil aus Holz. Ebenso das besagte biegen des Astes, man braucht nicht hacken. Wenn man die Wahl hat, sollte man sich lieber darüber freuen ein paar hundert Gramm Gewicht eingespart zu haben, also auf eine viel zu lange Klinge zu bestehen. Jeder hat natürlich seine Vorlieben und wie gesagt, dass Messer muss einem auch gefallen, aber man sollte sich auch der Nachteile einer sehr langen Klinge bewusst sein, sei es das Tragen am Bein, das Gewicht oder der Transport ins Ausland, am Flughafen.

In diesem Sinne viel Erfolg und Spaß bei der Messersuche

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