Der Hobo Kocher

Ich muss hier mal wieder die Gelegenheit nutzen, und einen fantastischen Ausrüstungsgegenstand vorstellen und zwar den Hobo Kocher, er ist mittlerweile zu einem meiner Lieblinge geworden und ich will ihn nicht mehr missen.

Hobo ist ein Begriff für die Amerikanischen Wanderarbeiter. Sie reisten auf Güterzügen oder zu Fuß oder wie auch immer es sich anbot durch das Land und lebten von kleineren oder wenn sie Glück hatten größeren Arbeiten, ihr bekanntester Vertreter war wohl der Schriftsteller Jack London (wer noch nichts von ihm gelesen hat, sollte das schleunigst nachholen!!!) der eine Zeit lang als Hobo gelebt hat und durch das Land gezogen ist .

Die meist obdachlosen Hobos waren also darauf angewiesen mit möglichst geringen Mitteln zurecht zu kommen. Im Zuge dessen entstand eben der so genannte Hobo Kocher, der letztlich eine Dose mit Löchern ist um es mal ganz einfach zu sagen. So fing er zumindest an. Ich gehe jetzt nicht auf den detaillierten Aufbau ein, ebenso wenig auf die genaue Geschichte der Hobos, dafür gibt es schließlich das Internet.

Durch die Löcher in der Dose, und den Aufbau (Boden frei, also etwas erhöht stehend), bekommt man einen sehr guten Kamin Effekt, so dass das Feuer sehr heiß und vor allem gut brennt, da es geschützt ist und fokussiert wird. Ich bin bekanntermaßen ein Freund von Robuster, einfacher Ausrüstung, einfach weil die Wahrscheinlichkeit von ihr enttäuscht zu werden sehr gering ist. So hatte ich lange überlegt, was ich mit nach Schottland nehmen könnte um mich und C auf dem West Highland Way mit warmen Mahlzeiten versorgen zu können. Der Gas Kocher stand deswegen nicht zur Debatte, weil die Kartuschen nicht in das Flugzeug dürfen und ich vor Ort meine Zeit nicht mit der Suche nach welchen verschwenden wollte. Dadurch kam ich schließlich auf den Hobo-Kocher. Ich schaute erstmal was Globetrotter, der Outdoor Händler meines Vertrauens, im Angebot hat, doch das erste Mal wurde ich hier nicht fündig. Nun gut, ich wurde fündig, doch was ich fand gefiel mir aus zwei Gründen nicht. Zum einen war der Preis mit 69,95€ nicht ohne (zumal ich erstmal testen wollte, ob ein Hobo Kocher für meine Zwecke funktioniert) zudem schien der Aufbau des Kochers ein wenig fragil und klein.

Grundsätzlich nicht schlecht, weil eben geringes Packmaß und Gewicht, aber irgendwie fehlte mir das Vertrauen (wer den Hexagon im Einsatz hatte und gute Erfahrungen gemacht hat, gerne melden und erzählen, würde mich freuen), also schaute ich weiter und landete bei diversen do-it-yourself Seiten. Dass allerdings war mir stellenweise einfach zu viel Aufwand, so landete ich schließlich beim Ikea Hobo Kocher. Auch der wird gerne noch ein wenig umgebaut und optimiert, ich habe ihn einfach so gelassen, wie er ist.

Der Ikea Hobo Kocher ist eigentlich ein Besteckkorb, also ein Korb aus Edelstahl mit vielen Löchern,  aber für ein so begrenztes Dasein ist er viel zu schade und die Schweden haben da etwas gebaut, was noch wesentlich vielseitiger und praktischer ist als die meisten Möbelstücke die sie anbieten. Was will man also mehr? Ich habe ihn nicht weiter umgebaut, würde aber empfehlen ihn nachher im Betrieb auf ein paar Steine zu stellen, so dass er erhöht steht und von unten Luft ziehen kann. Es funktioniert allerdings auch so. Dieser Besteckkorb, den es im übrigen nicht nur bei Ikea gibt, kostet etwa 3-6€ (je nachdem wo man ihn holt) ist nahezu unzerstörbar und bietet einem alles, was man braucht. Ich hatte ihn auf dem West Highland Way im Einsatz und bin begeistert. Mit wenig Aufwand ist ein Feuer gemacht und man hat fast die Lagerfeuer Atmosphäre, im Streitfalle kann man aber immer sagen, dass es ein begrenztes und kein offenes Feuer ist. In wie weit dass anerkannt wird oder man halt ein Auge zudrückt ist glaube ich eine Fall zu Fall Entscheidung des jeweiligen Ordnungshüters.

Das schöne am Hobo Kocher ist die Unabhängigkeit. Solange man in einer Umgebung mit Vegetation unterwegs ist, findet man auch totes Holz (oer ähnliches) um den Kocher zu befeuern. Er schluckt auch Tannenzapfen, Blätter, trockenes Gras, Zeitungspapier und halt alles was brennt. Da ich in Schottland sehr nasses Wetter erwartet habe (von oben kam zwar nichts runter, aber unten war schon alles nass!) habe ich sicherheitshalber ein paar Anzünder mitgenommen. Da kann man Zeitungspapier nehmen, Grillanzünder oder aber und dafür habe ich mich entschieden, Light my fire Anzündhilfe Maya.

Dass ist Holz mit extrem hohem Harz Gehalt. Es brennt stark/heiß und lange, so dass man damit auch nasses Holz gut in Gang bekommt, dass kann ich aus Erfahrung bestätigen. Ich habe die Sticks jeweils halbiert von der Länge her und dann geteilt von der Dicke. Zwei dieser so geviertelten Sticks haben immer ausgereicht um ein Feuer in Gang zu bringen. Danach ist es ein Selbstbrenner. Man muss hier natürlich bedenken, es ist ein Feuer und dass will gepflegt werden. Man kann es also nicht mit einem Gaskocher vergleichen, den man anschaltet wenn man Hitze braucht und wieder ausschaltet wenn man fertig ist.  Es ist wichtig, dass der Kocher Luft bekommt, da sind die ganzen Löcher schon mal eine prima Grundlage, wie gesagt, ihn auf ein paar Steinen zu stellen um von unten mehr Luft zu bekommen (und so den Kamineffekt zu optimieren) hilft, ebenso könnte man eine kleine Topfauflage bauen.

Ich habe den Topf einfach oben drauf gestellt und den Kocher platt auf den Boden. Wir haben damit problemlos morgens unseren gr0ßen Becher Kaffee und Tee zubereitet und Abends dass Wasser zum kochen gebracht, dass wir für unser Travel Lunch brauchten (etwas über 1Liter). Das Wasser zum Kochen zu bringen hat ein paar Minuten gedauert, genaue Zeiten habe ich nicht. In etwa so lange wie bei einem Gaskocher, vielleicht eine Minute länger, dass kann ich schwer sagen, weil man beim Kochen aktiv ist (Holz nachwerfen, in die Glut pusten zum aufheizen etc) und da verfliegt die Zeit. Ich werde versuchen beim nächsten Einsatz (Ende dieser Woche im Harz) darauf zu achten und werde dass dann nochmal einfügen.

Das Volumen des Kochers kann man prima ausnutzen um darin etwa das Anzündholz und/oder trockenes Holz dass man unterwegs findet zu lagern. So ist es kein leerer Raum. Auch Kälte interessiert den Kocher nicht, anders als zum Beispiel Gas oder Spiritus Kocher. Bei starkem Wind sollte man sich zum anfeuern natürlich einen gewissen Schutz suchen oder herstellen, aber Wind ist generell gut für den Kocher, so spart man sich das Pusten in die Glut um die Hitze zu erhöhen und die wird sehr hoch! Steht der Wind sehr darauf, wird man aber häufiger Holz nachwerfen müssen, weil einfach die Hitze so groß ist, dass dünnes Holz direkt verbrennt. Grundsätzlich würde ich dazu raten, ausreichend dünnes und dickeres Holz zu sammeln. Da der Kocher nunmal einen relativ geringen Umfang hat, wirft man viel Kleinkram hinein und dass verbrennt schnell, also muss man entsprechend nachwerfen und wenn die Hitze gut genug ist, ein paar größere Stücken hineingeben. Also wie bei einem Lagerfeuer. Klein anfangen und auf die gewünschte Größe bringen.

Man muss den Umgang mit dem Kocher also ein (klein) wenig lernen wenn man keine Erfahrung mit einem offenen Feuer mitbringt, aber nach einer Anwendung sitzt dass eigentlich soweit dass man sein Essen warm bekommt, dem morgendlichen Kaffee steht also nichts mehr im Weg und dass ist für mich schonmal die halbe Miete 🙂

Ich brachte beispielsweise kaum Erfahrung im Feuermachen mit, habe dadurch vergessen dass dickere Holz etwas aufzufächern (dann hätte es natürlich leichter gebrannt) aber es hat auch so anstandslos beziehungsweise sogar hervorragend funktioniert, also jede weitere Erfahrung dient eher dem Feintuning und der Optimierung. Bei Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

In diesem Sinne

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