West Highland Way – Reisevorbereitung

Mittlerweile haben wir die Tour, den West Highland Way entland, schon hinter uns gebracht und sie kam gänzlich anders als gedacht. Bevor ich nun aber den Reisebericht schreibe, ich lasse ganz gerne ein wenig Zeit verstreichen bis ich mich daran setze und mich zurück erinnere, möchte ich  hier ein wenig von der Reisevorbereitung erzählen, die sich mehrfach zerschlagen und verändert hat um letztlich wieder dahingehend zurückzukehren wo man begann „keep it simple“. Sollte mir als Minimalist dies eigentlich ein grundsätzlicher Leitspruch sein, war das stellenweise leider in Vergessenheit geraten. Neue Ideen keimten auf was man doch noch alles machen könnte, Präventionsmaßnahmen wurden erdacht um Herr jeder Lage zu werden, Dinge wurden vergessen und falsch kalkuliert. Also der ganz normale Wahnsinn vor einer Reise.

Wir haben exakt 160 Tage vor dem Tag x den Flug gebucht und dadurch noch einen günstigen Preis erwischt. Der Flug ging direkt von Bremen aus nach Glasgow, von dort aus mussten wir dann irgendwie nach Milngavie kommen, was via Bus/Taxi nicht das Problem sein sollte und dann ging es schließlich los. Ich war wirklich froh, als alle Reiseformalitäten hinter einem lagen, denn dass sind alles Dinge, die mich stören. Hier anstellen, dort einen Zettel holen, dort anstellen und so weiter. Ich freute mich von Anfang an auf den Start, alles andere war nur die zu erledigende Pflicht. Für mich war es das erste Mal, dass ich mit dem Flugzeug unterwegs war und so stellte sich das ganze Prozedere als wesentlich simpler dar, als ich zunächst vermutete. Zudem hatte der erste Flug etwas spannendes. Seit dem weiß ich, ich liebe es zu fliegen 🙂

Vorbereitung

Wir wollten die Tour nicht totplanen, dass war so unser grundsätzlicher Gedanke, wobei wir diese Sorglosigkeit primär auf die Route an sich bezogen. Wir hatten eine kleine Karte von dem West Highland Way und das würde reichen müssen. Wie wir nach Glasgow kommen stand ja fest und wie es von dort aus weiter gehen würde, das würde sich zeigen. Wir hatten uns insgesamt 10 Tage genommen, ein halber Tag würde jeweils für die An- und Abreise verloren gehen, also hatten wir prinzipiell für den ganzen Weg 9 Tage zur Verfügung, was mehr als ausreicht.

Wir wollten uns ja auch nicht durch die wunderschöne Gegend hetzen, sondern an schönen Plätzen häufiger mal pausieren und es uns einfach gut gehen lassen, wenn uns irgendwas gefällt. Hier einfach nur schnell durch zu laufen wäre echt eine Verschwendung dachten wir uns, also lieber ein paar Tage mehr einplanen. Zudem hatten wir noch den Plan, am Ende den Ben Nevis zu besteigen, dafür war es auch nicht schlecht, etwas zeitliche Reserve zu haben. Wie wir dann von Fort Williams zurück nach Glasgow kommen sollten, wussten wir auch noch nicht, würde sich aber auch zeigen.

Was wir in Sachen Tour vernachlässigt haben was das durchdenken angeht, haben wir dafür doppelt und dreifach auf unser Equipment verschoben! Männer brauchen Spielzeug, dass ist quasi ein Naturgesetz und Outdoor Equipment, auch noch für eine bevorstehende Tour, hat natürlich Potential in die Ecke „Lieblingsspielzeug“ zu kommen. Aber es war glücklicherweise mehr der Kopf der dies, das und jenes eingekauft hat, wir haben uns da erstmal ein wenig zurückgehalten und uns auf das beschränkt, wo wir uns ganz sicher waren, weitest gehend zumindest.

Essen und kochen?

Das erste Problem war die Verpflegung. Es gab zwei Optionen. A) Vor Ort etwas kaufen und sich davon ernähren oder B) komplett autark sein und sich auf Travel Lunch verlassen. Nach langem hin und her haben wir uns für B entschieden. Ich bevorzuge es, dass man jederzeit unabhängig ist, zumindest solange man Wasser hat.

Damit war die Essensfrage geklärt. Natürlich ist kein Festmahl möglich, ganz im Gegenteil, es handelt sich um eine Notration aber dafür eine gut schmeckende, dass muss man Travel Lunch und co lassen. Es gibt also 9 Packungen Müsli, 9 Packungen Panzerkekse und 9 Packungen Travel Lunch. Damit hat man seine Grundbedürfnisse gedeckt, nicht mehr nicht weniger. Zur Not, wenn einen der Hunger überkommen würde, kann man immernoch in einem Ort etwas nachkaufen. Der Tag fängt gut mit Frühstück an, wenn dann Mittags der erste Hunger wieder kommt, wird der gleich mit Panzerplatten einbetoniert und abends dann, kurz vor dem schlafen gehen, gibt es etwas warmes, richtiges zu essen, somit knurrt der Magen auch in der Nacht nicht, so die Theorie.

Das nächste Problem was sich dadurch ergeben hat war die Frage, womit mache ich das Wasser denn heiß um es auf das Travel Lunch am Abend und noch bedeutend wichtiger, meinen frisch gebrühten Kaffee (es gibt tolle Mini Filter mit kleinem Stäbchen, die man einfach in die Tasse hängt). Gas Kartuschen fielen aus, da man diese nicht im Flugzeug transportieren darf und vor Ort wollte ich meine Zeit nicht aufwenden einen Shop zu suchen, der welche führt. In Glasgow angekommen wollten wir nur noch nach Milngavie und dann in die Natur! Also würde etwas gebraucht werden, womit man abermals Autark wäre. Ich hatte letztlich zwei Lösungen gefunden. Entweder einen Hobo Kocher, oder aber die Kelly Kettle. Beides sehr bewährte System, beide hatten den Vorteil, dass man sie mit nahezu allem was man so fand (Holz, Blätter, Rinde etc) befeuern konnte.

Risiko Faktor war hier natürlich das Wetter. Aber da würde sich etwas finden lassen, man hat ja in der Zeit vor Gaskocher und Co auch ein Feuer entzünden können. Um aber sicherheitshalber einen guten Anzünder zu haben, besorgte ich mir spezielles Holz (Fat Wood), was zu 80% mit Harz gesättigt war, dass brennt sehr schnell, gut und lange. Damit würde man also auch feuchtes Holz entzünden können. Nun stand ich aber im Zwiespalt, hier überlegte ich dutzende Male hin und her. Der Hobo Kocher war ein Allrounder, Kelly Kettle hingegen ein Spezialist, nämlich ein Outdoor Wasserkocher wenn man so will. Da wir primär heißes Wasser brauchten um es über das Travel Lunch zu kippen und Kaffee/Tee zuzubereiten, war der Kelly lange der Favorit.

Es war das Gewicht und seine Sperrigkeit, die mich dazu gebracht haben den Kelly von der Liste zu streichen. So wurde es der Hobo Kocher. Der und ein 1 Liter Kessel zusammen wogen weniger als Kelly, zudem konnte man beides noch als “Verpackung” nutzen. In den Hobo Kocher an sich steckte ich das Anzünd-Holz. In den kleinen Kessel meine Tasse, Feuerzeug und Spork. So war der Platz nicht verschwendet.

Das war allerdings ein langer Prozess mit viel hin und her Gedenke. Kurz hatten wir auch überlegt, dass wir in Schottland auch was angeln könnten. Aber das hätte das Volumen der Ausrüstung erhöht und man müsste auch erstmal schauen, wo und ob das erlaubt wäre. So verwarfen wir die Idee.

Das war dann generell das Problem, Gewicht!! Beim ersten wiegen kam ich auf gut 25KG (ohne Wasser)! Das ist natürlich untragbar! Natürlich ist es machbar, aber diese Wanderung soll schließlich eher in Richtung „Genusswandern“ gehen denn in Richtung „Gewaltmarsch“! Wir wollten den West Highland Way ja genießen.

Der Harz ist praktisch wenn man ein paar „Extremtouren“ machen möchte. Wie die Sturm Tour bspw. oder den Harzer Hexenstieg non Stop, etc. Man kennt die Umgebung und gibt das Gewürz durch die Herausforderung in die Suppe. Schottland wollten wir wirklich genießen. Fände man einen schönen Flecken Erde, möchte man sich da niederlassen. Ich würde mir eine Zigarette drehen und vor mich hin sinieren. Ohne Hektik, ohne „besondere“ Herausforderung (außer dass man 150km unterwegs ist und mehrere Tage draußen schläft, bei Wind und Wetter).

Es stand also außer Frage, mein Rucksack musste leichter werden. Unter anderem habe ich mir noch ein Solar Panell gekauft, den Powermonkey Extreme. Ich habe extra ein Outdoor Smartphone, welches ich als Allrounder nutze, Kamera und eben Handy für den Notfall, es war eben auch neue Ausrüstung, die den Rucksack füllte. Alles in allem gab es hier wieder das “Problem des ersten Mals”.

Unsere bisherigen Touren waren 2-3 Tage kurz! Hier wären es nun 10 Tage, man dachte also daran, mehr Eventualitäten abdecken zu wollen. Die bisherigen Touren gaben einem aber zum Glück genug Erfahrung in die Hand. So wusste man man, nachdem man die KG Zahl sah, hier muss sich etwas ändern!

Ich legte also alles vor mich was ich dachte mitnehmen zu wollen. Ein Packsack für die Lastenkraxe war allein mit Verpflegung gefüllt. Da würde ich nichts ändern können, wenn wir Autark unterwegs sein wollen. Also begann das Suchen nach Equipment, dass man nur eventuell brauchte.

Es durfte nur bleiben, was man unbedingt brauchen würde. So lag mein Augenmerk zunächst auf dem Zelt. Es war mit 1,7 KG grundsätzlich recht leicht, aber wenn man massiv Gewicht einparen will, war jedes Gramm zu viel! Auch hier überlegte ich hin und her und hielt Rücksprache mit meinem Kumpel C der mich ja begleitete. Ich wollte eine Plane mitnehmen, aus der wir uns dann einen Unterschlupf bauen würden. Dass hieße jeder unserer Rucksäcke würde 1,7KG verlieren und es kämen nur 400g insgesamt wieder hinzu.

Da wir vor Antritt der Reise das Gewicht gleichmäßig verteilen, wäre dass für uns beide eine Erleichterung. Relativ schnell konnte ich ihn davon überzeugen und so sparten wir die ersten Kilogramm. Weitere folgten bei der Kleidung zum wechseln. Eine Garnitur trug man am Körper, eine weitere ( jetzt jedoch ohne Hose) war im Rucksack, also Unterhose, Socken, Shirt. Das würde reichen müssen, hätten wir ja auch die Möglichkeit unsere Kleidung unterweg zu waschen, je nach Wetterlage. Dann verschwand bei jedem von uns noch Kleinkram, der nicht unbedingt erforderlich war. So kamen wir insgesamt auf ein sehr geringes Maß an Ausrüstung.

Packliste

Plane + Schnur, Solar Pannel, 1. Hilfe + Schmerzmittel/Allergietabletten, Hobo Kocher + Anzünd-Holz, Wasserdesinfektion (schmeckt nach Schwimmbad, aber besser als gar nichts), Panzertape, ein paar Kabelbinder, Outdoor Flüßigseife, Zahnpasta und Kessel jeweils einmal (wir verteilten es gleichmäßig auf beide Rucksäcke)

Ersatzkleidung + dünne Fleece Jacke als Kälteschutz, Feuerzeug, Messer, Becher, Spork, Taschentücher (besser als Toilettenpapier), Regenschutz (Poncho und Beinlinge), etwas extra Schnur (Schnur ist immer gut, bspw. als Ersatz-Schnürsenkel oder sowas), Mückenmaske, Handy, Verpflegung, Zahnbürste, kleines Outdoor Handtuch, 2 Liter Wasser, dünne Isomatte, Schlafsack, Biwaksack (falls es zu stark regnet und die Plane nicht genug schützt), Trecking Stöcke (ich möchte niemals wieder darauf verzichten) und Stirnlampe hatte jeder von uns dabei.

Nach der Optimierung kamen wir nur noch auf 16 KG (ohne Wasser aber inkl. Essen) Man kann also noch nicht von Ultra Leicht sprechen, aber für 10 Tage autarkes Wandern war das schon akzeptabel.

So konnten wir ganz zufrieden sein, zudem gab es kaum noch etwas, dass man hätte rauschmeißen können. Auch jetzt nachdem wir den West Highland Way hinter uns haebn, fällt mir eigentlich nichts ein was ich weglassen würde. Naja ein paar Kleinigkeiten bei der Verpflegung, und den Anzündern würde ich anders machen, aber dazu mehr im eigentlichen Teil des Reiseberichtes.

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