Lastenkraxe versus Rucksack

Heute möchte ich hier in diesem Blog mal nicht davon schreiben, warum es toll ist zu entrümpeln, sondern etwas aus dem Outdoor Bereich vorstellen, was ich schon seit einiger Zeit nutze und zwar mit Begeisterung.


Hier geht es also um die Entscheidung zwischen Lastenkraxe und Rucksack vor der ich stand. Ich fange an zu erzählen, was mir bei einem Rucksack wichtig ist und was mich letztlich zu der Entscheidung bewogen hat mich für die Lastenkraxe zu entscheiden. Ich denke dass könnte für den einen oder anderen „frischen“ Wanderer interessant sein um sich ein wenig zu orientieren, was beim Kauf eines Rucksacks zu beachten ist.

Allem voran klingt Lastenkraxe einfach viel besser als der gewöhnliche Rucksack, aber das hatte natürlich nichts mit meiner Entscheidung zu tun….naja, vielleicht ein bisschen. ^^

Ich habe schon diverse Rucksäcke probiert, mich dabei aber eher im preiswerten Segment bewegt, „warum viel Geld für einen Rucksack ausgeben, wenn man den auch preiswert haben kann“ war ein Gedanke den ich anfangs hatte. Sicherlich kann man auch mit günstigen Rucksäcken eine Tour bestreiten, ohne Frage, da möchte ich auch nichts gegen sagen. Es geht hierbei lediglich um Komfort und Vertrauen in die Haltbarkeit.

Komfort wird klar durch das Tragesystem entschieden und da kann man ohne zögern sagen, dass die Rucksäcke ab dem mittleren Preissegment einen wesentlichen Vorteil gegenüber denen aus dem unteren Preissegment haben. Ein guter Hüftgurt beispielsweise erleichtert einem das Tragen enorm, ich würde niemals mehr auf einen verzichten wollen. Ein gutes Belüftungssystem sorgt dafür, dass man keinen von schweiß durchnässten Rücken hat, sondern er weitest gehend trocken ist, was gerade bei Touren mit viel Wind oder Kälte wichtig ist, da man sonst ständig friert! Beides macht einen gewaltigen Unterschied was den Tragekomfort anbelangt. Auch die Art, Breite und Polsterung der Schultergurte ist nicht unwichtig. Wenn man permanent das Gefühl hat, diese Gurte versuchten einem, bei der Schulter angesetzt, die Arme vom Körper zu schneiden, sind auch kleine Lasten keine Freude mehr wenn man sie ein paar Stunden mit sich herum trägt. Zudem ist es mir wichtig, dass man den Rucksack auch auf sich einstellen kann, sowohl auf die Rückenlänge als auch die einzelnen Gurte. Jeder Mensch ist nun einmal unterschiedlich gebaut und ich glaube soetwas wie den Standard Menschen gibt es nicht. Daher ist es schön, wenn man die Möglichkeit hat den Rucksack zu individualisieren.

Bei einem Spaziergang von ein paar Stunden, einzig mit dem Butterbrot und einer Flasche Wasser im Gepäck wäre mir das alles höchst wahrscheinlich egal, aber ich bin mindestens 2 Tage unterwegs und in der Zeit Autark, habe also Schlafmöglichkeit (ohne Zelt, ich bevorzuge es wirklich im freien zu schlafen), Verpflegung und das ein oder andere an Ausrüstung bei mir, zudem laufe ich pro Tag in der Regel mindestens 10 Stunden. Wahrscheinlich lacht da auch der ein oder andere drüber, aber für mich ist das ein Zeitraum, wo mir Komfort das Leben erleichtert, nicht damit ich es gemütlicher habe, das wäre mir egal, sondern damit mein Körper Leistungsfähiger und in keiner Weise eingeschränkt ist. Das ist der hauptsächliche Aspekt. Außerdem ist es selbstverständlich kein Genuss, wenn man über Stunden mit Schmerzen läuft. Wandern soll neben einer Herausforderung (in manchen Fällen), stets auch ein Genuss bleiben für mich, also sollte Schmerz kein Begleiter sein. Für mich ist der Rucksack der zweitwichtigste Ausrüstungsgegenstand und ihm sollte man entsprechend Ausmerksamkeit widmen, wenn man mehrere Touren und vor allem auch längere Touren gehen möchte. An erster Stelle stehen selbstverständlich die Schuhe, denen man noch mehr Aufmerksamkeit schenken muss!

Neben der Tatsache, dass die Last auf dem Rücken gut verteilt sein soll und sich eben jene Last dadurch besser tragen lässt, ist mir das Vertrauen in die Haltbarkeit wichtig. Auch hier ist zu sagen, für kürzere Touren von 1-2 Tagen, kann man damit leben, wenn der Rucksack versagt (auch wenn es trotzdem eher unangenehm ist, der Heimweg ist dann aber kein all zu weiter. Ärgern würde ich mich trotzdem), jebald es aber um längere Touren geht, ist es essentiell, dass der Rucksack auch hält was er geladen hat. Ich habe vor den Harzer Hexenstieg in 24 Stunden zu laufen (nur noch wenige Tage bis es los geht), den West Highland Way zu gehen und von München nach Venedig zu wandern etc. Dass sind Touren, wo ich mich absolut auf meine Ausrüstung verlassen können muss. Natürlich sind Panzertape und Kabelbinder immer dabei um das ein oder andere flicken zu können, aber die Nutzbarkeit des geflickten Gegenstandes ist, je nach Beanspruchung, schon arg beeinträchtigt. Ausrüstung muss für mich so einfach wie möglich und so robust wie möglich sein.

Bei Rucksäcken ist das so ein wenig wie die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau, wobei ich sie letztendlich gefunden habe (wer mag es glauben). Ich wollte einen einzigen Rucksack, der meinen bis dato aktuellen ablösen sollte, den ich für alle Touren nutzen könnte, die ich bisher und noch in Zukunft geplant habe. Da auch München/Venedig auf meiner to do Liste steht, und ich auch dort weitest gehend Autark unterwegs sein werde, musste mein Rucksack schweres Gepäck laden können. Die meisten Rucksäcke endeten bei 20KG und das hieße dass ich bei der München/Venedig Tour die Maximallast etwas überschreiten würde und den Rucksack über einen gewissen Zeitraum mit Maximallast unter rauen Bedingungen benutze. Da fehlte mir das Vertrauen. Wenn man noch 20 Tage bis zum Ziel zu laufen hat, und ein Gurt gerissen ist oder dergleichen, werden dass sehr strapaziöse Tage. Ein weiteres Problem war, dass die Rucksäcke, was Füllvolumen und Tragkraft anging für kürzere Touren unbrauchbar waren, denn was soll ich bitte 2 Tage im Harz mit nem 120L Rucksack? Da muss ich ja halb hinein klettern um meine tatsächlich mitgeführte Ausrüstung finden zu können. Also bräuchte ich mindestens zwei Rucksäcke. Dann sind die Rucksäcke ja heutzutage aus diesem extrem dünnen High Tech Material, mit unzähligen Reißverschlüssen überall. Dem ganzen traue ich einfach grundsätzlich nicht. Das ist, muss ich gleich dazu sagen, jedoch nicht auf irgendwelche Erfahrungen zurückzuführen, sondern eine generelle Abneigung gegen dünne Materialien die mit mehreren Reißverschlüssen durchsetzt sind. Ich habe da einfach Zweifel an der Robustheit. Die Reißverschlüsse sind natürlich prima, weil man überall schneller ran kommt, besser einpacken kann und dergleichen. Für mich sind es aber eher Sollbruchstellen! Da es genug gibt die damit herumlaufen, werde ich mich da höchst wahrscheinlich irren, möchte aber lieber nicht bei einer Tour feststellen müssen, dass ich doch recht hatte ^^. Also kamen die guten alten Bundeswehrrucksäcke in den Sinn. Robust und einfach. Genau was ich gesucht habe. Ich kam meinem Ziel also immer und immer näher. Hier gab es dann nur noch das Problem mit der Größe (für kleine Touren unbrauchbar), des Gewichts (wobei dass ein Problem ist, was es fast überall gibt, wenn man robustes Material bevorzugt) und des Preises (der lag bei den passenden Modell schon bei 250€!!!). Irgendwann sah ich dann in einer Amerikanischen Serie beim herum zappen jemanden mit einer Lastenkraxe, dem Ursprung aller Rucksäcke wage ich zu behaupten, durch einen Wald laufen, nur den Bruchteil einer Sekunde. Ich habe dann sofort zurückgeschaltet und einen etwas genaueren Blick geworfen. Ich glaube in dem Moment hatten bereits meine Augen angefangen zu  leuchten, denn ich hatte die Lösung für mein Problem gefunden.

Jetzt musste ich aber erstmal anfangen zu suchen, denn Lastenkraxen sind nicht sonderlich verbreitet. Der Outdoorhändler meines Vertrauens (der mit dem großen G und dem trotter) hatte aber zum Glück die Tatonka Lastenkraxe im Programm, die ich kurz darauf auch bestellt habe. Als sie gewohnt schnell geliefert wurde, wuchs meine Begeisterung noch weiter! Robuster als das geht es nicht, das Eigengewicht war überraschend gering und die Einsatzmöglichkeiten nahezu unbegrenzt. Es ist eine Lastenkraxe von Tatonka, da bekommt man eigentlich immer gute Qualität und so auch in diesem Fall. Leider war der dazugehörige Sack nicht mehr im Programm, aber das war eigentlich auch gut so, weil ich eine praktischere Alternative gewählt habe. Ich nutze einfach Ortlieb Säcke und Spanngurte. So ist alles was eingepackt wird auch gleichzeitig wasserdicht verpackt. Ich habe mir 3 Säcke von Ortlieb geholt, so kann ich immer je nach Umfang der Reise wählen, wie viele ich nutze oder eben nicht. Die einzelnen Säcke von denen ich erst dachte sie seinen ein Nachteil um „mal eben schnell“ irgendwo ran zu kommen, haben sich als Vorteil erwiesen, denn ich konnte genau differenziert packen. In den unteren Sack kam alles für das Lager und das Abendbrot/Frühstück, in dem darüber die Tagesverpflegung und Dinge wo man schnell heran muss und so weiter. Diese einzelnen Säcke sind sehr praktisch um Ordnung zu halten und „Themenmäßig“ zu packen. Was zusammengehört, liegt in einem Sack zusammen, einen anderen Packsack muss man dann gar nicht erst öffnen. Durch die Gurte lassen sich die Packsäcke nahezu beliebig an der Kraxe befestigen, ob nun hoch oder quer spielt dabei keine Rolle und nur die normalen Regeln des Packens, schweres nach oben, nah an den Körper etc. ist zu beachten. Die Lastenkraxe hat unten ein Gestell, so dass man die Kraxe auf den Boden stellen kann, ohne dass irgendetwas nass wird außer den Füßen des Gestells (gut mit Ortlieb Säcken ist das egal, aber praktisch ist es schon) sehr gut ist es auch, dass die Kraxe dadurch beim hinstellen nicht umkippt, sondern gerade stehen bleibt. Bewältigen kann man mit der Kraxe laut Hersteller eine Last von bis zu 50 oder 60 Kg aber ich will beides niemals mit mir rumschleppen müssen, also besteht die Gefahr nicht, dass ich mit dem Nutzen am Maximum kratze. Alle Gurte lassen sich individualisieren, sind sehr angenehm zu tragen, der Hüftgurt ist großartig, ebenso die Belüftung des Rückens. Warum Lastenkraxen sich nach und nach immer weiter verabschieden, kann ich nicht nachvollziehen. Ich hoffe zumindest, wenn die Kraxe irgendwann, eines fernen Tages, ihren Geist aufgibt, dass ich noch die Möglichkeit finde, eine neue zu erwerben.

Also für jeden der mal längere Touren geplant hat, dem zuverlässige, robuste Ausrüstung wichtig ist, die gleichzeitig sehr flexibel einzusetzen ist (ja, ich möchte hier Werbung machen), dem kann ich die Kraxe nur ans Herz legen. Praktisch ist es auch, dass man sich bspw. Fahrradlampen an den Rahmen der Kraxe anbringen kann, so hat man gleich eine Beleuchtung bei Nachtwanderungen. Je nachdem wie die Kraxe beladen ist, klappt das prima. Die Wanderstöcke lassen sich gut an der Seite fest zurren, man könnte sich sogar einen Regenschirm an der Kraxe anbringen und sich so einen Schutz schaffen, das habe ich selber aber noch nicht ausgetestet, da mein Regenponcho in Verbindung mit den Beinlingen ausreichenden Regenschutz bieten.

Alles in allem lag ich, inkl der Ortlieb Säcke und den Spanngurten bei etwa 200€. Sicher, dass ist nicht wenig Geld, aber im Verhältnis gesehen preiswert, denn man hat dafür einen Rucksack, den man im Winter wie im Sommer, mit großer und geringer Last, für weite und kurze Touren nutzen kann. Zur Not kann man sich damit auch Holz zum Lager Transportieren und im ganz argen Notfall, kann man sich daraus eine trage für jemanden bauen.

In diesem Sinne.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s